Donnerstag, 18. Juni 2009
Kambodscha Thailand Pt.2
Beim Schmiergeld habe ich noch Glück. Der Typ vor mir bezahlt extra. Ich habe mein Geld schon in der Hand, doch der Grenzer lächelt mich an und sagt „You dont have to pay!“ Voll nett-nochmal davon gekommen. Die Straßen sind allerdings wirklich in schlechtem Zustand. Die ersten Kilometer kann ich nicht schneller als 20 fahren und bis zum nächsten Highway, der 100Km entfernt ist brauche ich so drei Stunden!
Die Geschichte des Landes ist ähnlich unserer Deutschen, weshalb ich mich dafür besonders interessiere. Im Frühjahr 1975, kurz vor Ende des Vietnam Krieges, der auch auf Kambodschanischem Boden ausgetragen wurde, übernehmen die Roten Khmer die Kontrolle im Land. Die anfängliche Freude ist schnell verflogen, als sie damit beginnen ihre Form des Kommunismus durchzuziehen. Sie verbieten sämtlichen Fortschritt sowie Individualität einzelner da sie dies als Beitz ansehen. Ganze Städte werden evakuiert und die Bevölkerung auf dem Land angesiedelt wo diese in der Landwirtschaft arbeiten müssen. Da sie Bildung und Wissen als Individualität ansehen, werden zum Beispiel Lehrer, Mönche, Menschen mit Brillen sowie Menschen die Fremdsprachen sprechen erst in Spezial Gefängnissen gefoltert und dann umgebracht. Bis zu ihrem Untergang (1979) dezimieren sie die Bevölkerung von neun auf sieben Millionen! Der Westen, besonders die USA, welche noch vor kurzem in Vietnam einen Krieg gegen den Kommunismus geführt haben, schauen hier tatenlos zu! Das Ende kommt erst als die Khmer Krieg mit ihren Erbfeinden, Vietnam, beginnen. Der Gegenangriff Vietnams ist für die Roten Khmer zu stark. Innerhalb weniger Wochen werden sie von der Vietnamesischen Armee überrollt und Kambodscha so in den nächsten Bürgerkrieg gestürzt.
Der Westen schaut weiterhin tatenlos zu. So bekommen die Roten Khmer bis 1991 einen Sitz in der UN Generalversammlung und vertreten dadurch Kambodscha. Nur wenige der Kriegsverbrecher wurden jemals vor ein Kriegsgericht gestellt. So stirbt Pol Pot, der Anführer der Roten Khmer 1998 unbehelligt. Die Bevölkerung ist zu arm und deshalb zu stark damit beschäftigt überhaupt zu überleben.
Kambodscha ist relativ klein(Halb so groß wie Deutschland), weswegen es nicht besonders viele Sehenswürdigkeiten gibt, diese haben es jedoch in sich. Mein erstes Ziel ist Siem Reap da hier die riesen Tempelanlagen von Angkor Wat stehen. Auf einen Gebiet von 200qkm stehen hunderte große und kleine Tempel.
Besonders die allgegenwärtige Armut hat auf dem Weg nach Siem Reap Eindruck hinterlassen. Die Menschen wohnen in Holzhütten, Kinder spielen im Dreck und nur wenige Straßen sind geteert. Positiv ist allerdings dass die Menschen durch ihre Armut den Tourismus als Chance sehen und Englisch dadurch weit verbreitet ist. So kann man auch mit Straßenverkäufern Gespräche führen.
Touristen werden aber auch hier als laufende Geldbörsen gesehen. Ich setze mich auf eine Bank und möchte meine Pepsi genießen. Da kommt schon das erste Kind mit Postkarten in der Hand „Hallo Mister!.... Whats your name?....Where are you from?....I like your beard!”(Wie geil-da wurde mir klar dass es doch kein drei Tage Bart mehr ist). Ich mache ihm klar dass ich nicht interessiert bin und gebe mich weiter meiner Pepsi hin. Da bemerke ich wie mich ein gut gekleideter Mitzwanziger beobachtet. Er kommt auf mich zu woraufhin ich ihm gleich sage „I dont buy anything“. Das scheint für ihn ok zu sein. Er setzt sich zu mir und wir fangen mit etwas Smalltalk über Kambodscha, die englische Sprache, Berufe und so weiter an. Als ob ich es nicht besser gewusst hätte erzählt er plötzlich von einem Waisenhaus in dem er gelegentlich aushilft. Welch Überraschung-er möchte eine Spende. Mir ist es jedoch zu blöd irgendjemand Geld zu geben und ich frage ihn nach der Adresse und sage ich komme die Tage mal vorbei. Als er dann meint er könne mir die Adresse nicht geben ist das Gespräch für mich beendet. Da kann ja jeder kommen…
Trotzdem beschäftigt mich die Armut in diesem Land. Helfen würde ich ja schon gern, nur sieht meine Reisekasse nicht allzugut aus. Es muss Schicksal gewesen sein, denn am gleichen Tag sehe ich noch einen Aufruf zum Blutspenden im örtlichen Kinderkrankenhaus. Am nächsten Tag Spende ich als Nummer 989 zum ersten Mal in meinem Leben Blut und bekomme dafür sogar noch eine Cola, Kekse und ein T-Shirt.
Ich bleibe ein paar Tage in der Stadt um mich an Land und Leute zu gewöhnen bevor ich mich zu Angkor Wat aufmache. Die Tempel sind echt beeindruckend und da ich mich gleich morgens aufgemacht habe sind auch nicht viele Touris da. Insgesamt schaue ich mir vier der Tempel an. Der Haupttempel „Angkor Wat“ ist das größte religiöse Gebäude der Welt. Besonders beeindruckend fand ich aber den „Ta Prohm“ da dieser der Natur überlassen wurde. So wachsen riesige Bäume um die Mauern und Gebäude. Zerstören diese und halten sie gleichzeitig wieder zusammen und verhindern so ein Einstürzen. Unbedingt die Bilder im Webalbum anschauen!!!
Anschließend geht’s in die Hauptstadt Phnom Penh. Komme abends an und gebe mir noch den Stress sechs verschieden Guesthouses zu vergleichen bis ich endlich eins finde indem es auch ein Restaurant sowie einen Gemeinschaftraum gibt. Beim Abendessen labern mich die dort angestellten Tourguides gleich an und da sie nett sind lass ich mir von einem am nächsten Tag die Stadt zeigen. Wir sind gerade in einem Markt als es mit regnen beginnt. Es will gar nicht mehr aufhören und innerhalb einer halben Stunde stehen die Straßen bis zu 30cm unter Wasser. Beim Versuch zurück zum Guesthouse zu kommen säuft uns dann das Moped ab und wir müssen eine Stunde warten bis das Moped wieder läuft und die Straßen passierbar sind. Mit Bruce hätte ich hier richtig viel Spaß gehabt…
Die Guides hier sind richtig nett und da ihr Englisch echt gut ist kann man abends ein Bier mit ihnen trinken gehen. Außerdem laden sie mich noch zum Volleyball spielen ein und bekomme so einmal wieder Kontakt mit Locals.
In Phnom Penh befinden sich das Sicherheitsgefängnis S21 und die Killing Fields. Während der Herrschaft der Roten Khmer wurden die Menschen erst in dem Gefängnis gefoltert und anschließend auf den Killingfields exekutiert. Das Ganze ist krass mit anzusehen. Überall liegen Schädel und Knochen aufgebahrt und in dem Gefängnis hängen unzählige Bilder die von den Schrecken zeugen. Um „kostbare“ Munition zu sparen, mussten sich die gefesselten Opfer vor ausgehobene Gruben knien wo sie dann von hinten mit Hacken und Schaufeln erschlagen wurden!
Nach ein paar Tagen verlasse ich die Hauptstadt und mache mich wieder auf in Richtung Thailands Grenze. Auf dem Weg dorthin halte ich an einem kleinen Hafenstädtchen namens Kampong Chhnang wo ich noch ein paar Bilder schießen will. Viel gibt es nicht zu sehen und so geht’s nach 2 Stunden weiter nach Battambang, was keine 100 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Hier gibt es noch weitere Killingfields wobei hier überwiegend Mönche einfach Klippen hinuntergestoßen oder in Höhlen geworfen wurden, wo sie dann entweder durch den Aufprall oder durch die entstandenen Verletzungen gestorben sind.
Als ich an meinem letzen Abend in Kambodscha gerade einschlafen möchte, höre ich von draußen laute Stimmen, Sirenen und kleinere Explosionen. Eine Straße weiter brennt der halbe Straßenzug! Als ich dort ankomme werden mir von Locals allerhand Verschwörungstheorien erzählt. So löscht die Feuerwehr nur wenn die Hausbesitzer entsprechend bezahlen. Aber krass zu sehen wie die Bewohner in die brennenden Häuser rein und raus rennen um ihre Habseligkeiten zu retten. Eine Versicherung werden sie sicher nicht haben…
Kulinarisch hats Kambodscha auch in sich. In Thailand hatte ich schon gegrillte Insekten probiert, die echt lecker waren. Hier Probiere ich noch gemixte Kuh Innereien und gekochte Schnecken. Die Innereien werden mit rohem Gemüse serviert und ich bekomme es kaum runter. Die Schnecken sind auch nicht mein Fall, schmecken sie doch sehr nach Erde.
Kambodscha hat viele Eindrücke hinterlassen. Die Menschen sind trotz der Armut sehr freundlich und positiv eingestellt. Hier könnte ich mir vorstellen auch einmal wieder zu kommen.
Am 3. Mai geht es dann wieder zurück nach Thailand wo ich mich ums Verschiffen und die Visa für Indien, Pakistan und Iran kümmern muss. Im Normalfall muss man einmal zur Botschaft um das Visum zu beantragen und dann nochmal um das Visum abzuholen. Teilweise muss man den Reisepass auch abgeben weswegen alles sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Dazu kommt noch das Verschiffen und so verbringe ich Tagsüber viel Zeit in Taxis-der Verkehr ist einfach enorm. Abends gehe ich meistens auf die Kao San Road(Haupttravellergebiet in Bangkok) um das ein oder andere Bier zu trinken.
In meinem Hostel lebt noch ein Marokkaner der sich in Bangkok niedergelassen hat. Ganz praktisch, da er mir ein paar Insidertipss verrät. So gehen wir zum Shoppen wo ich mir Hosen für umgerechnet 5Euro kaufe und es gibt auch eine deutsche Metzgerei-endlich bekomme mal wieder Leberkäse!!!
Außerdem sehe ich auch Patrick-den Deutschen Mönch aus Wat Sanghathan wieder. Witzig und da wir uns schon kennen sind es auch keine woher kommst du-wohin gehst du Gespräche. Er verlässt Thailand zur gleichen Zeit wie ich und obwohl er Lust hätte mit mir zusammen nach Hause zu fahren scheitert es an der Finanzierung-echt schade.
Nachdem Bruce im Container und die Visa in der Tasche sind geht es dann am 16. Mai nach Indien. Und eins kann ich euch jetzt schon versprechen, der nächste Eintrag wird interessant-Indien ist einfach nur krass…
Liebe Grüße nach Hause
Sam
Sonntag, 19. April 2009
Thailand Pt. 1
Da wir vom letzten Mal noch wissen wie lange es an der Grenze dauern kann, machen wir uns am Morgen des 24.2. frühzeitig auf den Weg zur Thailändischen Grenze. Diesmal geht alles reibungslos und zügig, so dass wir um die Mittagszeit mit Bruce auf Thailands Straßen unterwegs sind.
Schnell wird uns klar, dass Thailand wieder ein ganz anderes Land ist. Ich versuche an der Grenze eine Versicherung fürs Auto zu bekommen und trotz der Mithilfe weiterer Passanten geb ich irgendwann auf und bezahle was sie mir anbieten-Englisch ist halt nur in Touristengebieten verbreitet.
Aber es gibt auch positives. Bestanden Zimmer in anderen Asiatischen Ländern aus vier Wänden und den benötigten Möbeln, wird hier mehr Wert auf Einrichtung und Schönheit gelegt. Es hängen Bilder an den Wänden, es wird dekoriert und es gibt sogar wieder Zimmerpflanzen -für mich ein Muss!!!
Unser Ziel ist Phuket-eine Insel an der Westküste Thailands, jedoch ein gutes Stückchen entfernt. Wir beschließen zu schauen wie weit wir kommen und landen am späten Nachmittag in Krabi. Ein kleineres Städtchen, das als Startpunkt zum Inselspingen genutzt wird und laut Reiseführer über super Strände verfügen soll. Preislich ist Thailand wieder Top. Für das saubere Doppelzimmer bezahlen wir 6Euros und der Startpreis für Essen ist wie überall in Asien 1Euro…Am nächsten morgen wollen wir eigentlich gleich weiter, jedoch hat ein Flyer fürs Pferdereiten Ginas Interesse geweckt woraufhin wir dort vorbeischauen. Meinen positives Reiterfahrungen zum Trotz sind mir umgerechnet 50Euro (Laut Gina der gleiche Preis wie zu Hause) zu viel. Da wir für diesen Tag schon zu spät sind, bucht Gina für den nächsten und wir verbringen den Rest des Tages auf der Suche nach dem laut Reiseführer perfekten Strand. Alles was wir jedoch finden ist eine weitere Touri Stadt mit Mc Donalds, Burger King, Subway und durchschnittliche Strände mit ca. 10Meter Sandstreifen-Sieht so etwa das Paradies aus?
Nach zwei weiteren Nächten und einen gechillten Tag geht’s dann Richtung Phuket. Auf dem Weg dorthin lassen wir uns den in einer Höhle liegenden 20Meter langen Buddha nicht entgehen. Es gibt noch weitere Buddha Statuen und Unmengen von Lang Schwanz Makaken. Nachdem unser Urwaldführer auf Borneo in seinem beschränkten Englisch diesen Namen so oft und mit soviel Liebe ausgesprochen hat, musste ich die Tiere einfach in mein Herz schließen, stoße jedoch nicht auf Gegenliebe. Laut unserem damaligen Guide machen sie „eating to the Fruit.“ Als wir aus der Höhle rauskommen sitzen sie jedoch auf Bruces Roofrack und machen „eating to the Klapptisch“-es scheint zu schmecken, da sie das Auto zu verteidigen beginnen als wir uns nähern…
Phuket ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden, sodass wir uns dort mit eigenem Auto frei bewegen können. Wir entscheiden uns die Westküste runter zu fahren und halten nach Stränden Ausschau. Allerdings ist Phuket Pauschaltouristenland und auch wenn ich noch nie dort war, fühl ich mich wie am Ballermann. Manche Straßenzüge sind fest in Westlicher Hand. Nicht nur dass es mehr Touristen als Einheimische gibt. Auch die Shops heißen „Bei Otto“ „Lisas Hostel“ und so Weiter. Sämtliche Internationalitäten sind vertreten. Als wir an einem Aussichtspunkt anhalten machen wir eine weitere Feststellung. Man sieht von hier zwar einen guten Teil der Insel, das Meer und die Strände. Bei genauem Hinsehen fällt aber auch auf, dass die Insel ziemlich bebaut ist und man überall Hotelkomplexe wie kleine Pilze in der Landschaft sieht. Wird hier wieder einmal, wie so oft, versucht etwas den Touris zu verkaufen, das eigentlich gar nicht so schön ist??? Das Gelobte Land finden wir hier also auch nicht weswegen wir bis in den Süden der Insel, nach Phuket City fahren. Die Stadt ist hässlich und die Orientierung fällt etwas schwer, so dauert es bis wir unser Hostel finden. Die Besitzerin steht gerade vor der Tür als wir ankommen und empfängt uns herzlich. Das Hostel ist wirklich schön und die Zimmer Erstklassik. Fragen nach einem Discount tun wir trotzdem. Sie meint daraufhin:“ Billiger kann ich es euch nicht geben. Aber ich habe noch eins mit Klimaanlage, das könnt ihr für den gleichen Preis haben. Ihr wollt ja nach der langen Reise sicher nur schlafen.“ Ich denk mir nur WTF-denkt die wirklich dass dies seit Australien unser erster Stop ist??? Egal-abends versuchen wir mal wieder feiern zu gehen und treffen auf einen sehr interessanten Menschen(natürlich aus Deutschland) aus dem wir nicht so ganz schlau werden. Er spricht uns an und so kommen wir ins Gespräch. Irgendwann meint er, dass er nur Einheimische Freunde hat und wenn er alleine Unterwegs ist auch viel lieber Einheimische anspricht. Auf die Gegenfrage warum er uns dann angesprochen hat wusste er auch nicht weiter…Ja ne, ist klar-Ich tippe auf Schizoide Persönlichkeit…
Am nächsten Tag chillen wir und buchen unser Fährticket auf die Insel Ko Phi Phi. Der Drehort zu Leonardo Di Caprios Backpackerfilm „The Beach“. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass die Insel voller Touris ist. Mittlerweile sind wir vom Reisen enttäuscht. Wir hetzen von Tourisattraction zu Touriattraction und überall versuchen uns die Leute zu erklären, dass dies das Paradies sei und eine noch so wichtige Sehenswürdigkeit. Ich fange an zu überlegen, warum ich hier auf einmal 100 Tempel, 250 Strände und noch mehr Städte anschauen sollte. Zu Hause bin ich ja auch nicht jedes Wochenende losgezogen und habe die Kultur deutscher Städte erforscht. Dazu kommt noch die Tatsache dass man zu anderen Travellern nur schwer eine Beziehung aufbauen kann, da die meisten nur 2-3 Tage an einem Ort bleiben bevor sie weiterziehen. So viel Glück, dass sich die Reisepläne überschneiden wie bei der Elke auf Borneo hatten wir seitdem nicht mehr. Den Gedanken eine Beziehung zu Einheimischen aufzubauen hatten wir seit Padang Bai nicht mehr-über kurz oder lang geht es da immer nur ums Geld! Wir vermissen den Chris aus Australien mit seiner Butterfly Farm. Dort konnte man ein paar Wochen abhängen, sich vom Reisen erholen, hatte eine kleine Aufgabe und Kontakt zu anderen Reisenden sowie zu Einheimischen die auch ehrlich interessiert an einem waren.
Wir bleiben trotzdem 4 Tage. Gehen Tauchen, schauen uns den berühmten Strand aus „The Beach“ an, erkunden die Insel und Feiern die Half Moon Party. Zwischendurch treffen wir noch 3 Deutsche Mädels mit denen wir die Abende verbringen…
Auf der Fähre zurück nach Phuket treffen wir die Entscheidung erstmal getrennt weiterzureisen. So hat jeder Zeit für sich, das Erlebte zu verarbeiten und sich Gedanken zu machen wie die Reise weitergehen soll. Ich fahre Gina noch nach Surat Thani an der Ostküste von wo aus sie dann die Inseln im Golf von Thailand, sowie die berühmt berüchtigte Vollmondparty besuchen will. Für mich selber habe ich andere Pläne. Ein paar Tage Chillen, Erlebtes verarbeiten, Gedanken sammeln und mich mit Bekannten in Kontakt setzen die schon eine ähnliche Reise gemacht haben.
In Thailand gibt es die Möglichkeit zum abschalten für eine paar Tage in einen Tempel zu gehen. Dort wird dann gefastet, geschwiegen und natürlich viel meditiert. Aus meinem Reiseführer weiß ich, dass sich ein bekannter Temple hier in der Nähe befindet und so mache ich mich, nachdem ich Gina verabschiedet habe, auf den Weg. Man muss mir meine Orientierungslosigkeit wohl angesehen haben, denn ich werde nach kurzem von einem Mönch angesprochen mit dem sich ein gutes Gespräch entwickelt. Die Meditationskurse bieten sie zurzeit nicht an aber er lädt mich trotzdem ein, für ein paar Tage bei sich zu wohnen. Voll nett-aber ich muss erstmal andere Dinge erledigen. Nach zwei Stunden verabschiede ich mich und setze meinen Weg an der Ostküste Richtung Bangkok fort.
Für den Weg nach Bangkok brauche ich 6 Tage in denen ich viel im Internet abhänge um alternative Reisemöglichkeiten zu finden und mache eine schöne Entdeckung. Statt den Highlights des Reiseführers zu folgen, fahre ich Höhlen, Strände und Nationalparks an, die nur auf meiner Straßenkarte eingezeichnet sind. So habe ich absolut keine Erwartungen, was ich dort vorfinden werde und finde dabei richtige Perlen. Den Khao Sam Roi Yot Nationalpark zum Beispiel. Super Aussichtspunkte, eine schöne Höhle und auch Strände. Auch Bruce Herz schlägt höher als ich ihn mal wieder über den Strand jage. Ich weiß-tief in seinem Herzen vermisst er Australien und ist über jede Möglichkeit froh, zu Zeigen was er eigentlich kann.
In Bangkok angekommen weiß ich so langsam was ich will-Weniger Tourikram, mehr Kontakt zu Einheimischen. Ich suche mir ein ruhiges Hostel und geh die Tage sehr chillig an, indem ich nur eine Tourisache pro Tag anschaue. Verbringe so eine Woche bis ich mich wieder mit Gina treffe, die nun auch in Bangkok ist. Es ist schön, mal wieder mit jemand zu reden, den man kennt und bei dem man nicht mit „Hallo ich heiße-ich komme aus-…“ anfangen muss. Über ihre weiteren Reisepläne ist sie sich nicht sicher, fährt aber am nächsten Tag mit dem Zug nach Chiang Mai im Norden von Thailand.
Da es für mich nichts mehr zu planen gibt, habe ich mich für die nächste Woche in einem Tempel zum meditieren angemeldet. Die Wahl fiel auf Wat Sanghathan da er trotz der Nähe zu Bangkok über viel Natur und Seen verfügen soll. Dort angekommen geht’s erst mal zum Interview mit Frank, einem Amerikaner, der aber schon 10Jahre als Mönch in Thailand lebt. Ein sehr netter Mensch, der sich viel Zeit nimmt und mich nicht nur in die Techniken des Meditierens einweist, sondern mir auch viel über den Buddhismus erklärt. Außerdem ist noch Patrick da-ein Deutscher der seit 2Jahren als Novize in Thailand lebt. Zum besseren unterscheiden tragen Mönche und Novizen Orange. Laien, wie ich, sind komplett in Weis gekleidet. In einer kleinen Zeremonie muss ich die acht Gelübde ablegen:
-keine Lebewesen töten.
-nicht stehlen.
-kein Sex.
-nicht Lügen.
-keine Drogen legal oder illegal.
-nur eine Mahlzeit am Tag und das vor 12Uhr Mittag.
-kein singen oder tanzen.
-keine luxuriösen Betten oder Stühle.
Vor der einen Mahlzeit habe ich am meisten Respekt. Esse ich doch sonst immer den ganzen Tag. Aber, und das ist die beste Erfahrung die ich mache: Man braucht nicht viel zum leben-auf die meisten Dinge kann man verzichten. Es geht einem ohne sogar besser. Natürlich bekomme ich gegen Abend Hunger, aber da es einfach nichts gibt, verschwende ich auch keinen Gedanken daran. Das gleiche mit Handy, Internet und so weiter. Da die Dinge nicht erlaubt sind, vermisse ich sie auch nicht. Die Zeit dort tut mir gut. Ich merke wie ich Dinge der Reise aufarbeite und richtig erholsam schlafe. Da die meisten der Leute dort Thais mit beschränktem Englisch sind, freunde ich mich mit Patrick an. Auf der Suche nach Action fahren wir eines Abends noch an die Tankstelle und kaufen Schokolade(die auch nach 12Uhr noch erlaubt ist). Zu Hause wäre es wohl auf Bier hinausgelaufen, trotzdem fühlen wir uns wie kleine Rebellen. Egal-Patrick ist echt witzig!!!
Anschließend geht’s wieder nach Bangkok wo ich per Mail erfahre, dass Gina in ein paar Tagen wieder in Bangkok ist um dann nach Hause zu fliegen. Sie kann die vielen Eindrücke nicht verarbeiten und deswegen neue Sachen gar nicht genießen, was ich sehr gut verstehen kann-Trotzdem sehr schade, hatte ich mit Gina doch viele schöne Momente.
Ich warte also noch ein paar Tage damit wir uns anständig verabschieden können. In der Zwischenzeit kontaktiere ich ein Homestay an der Grenze zu Kambodscha. Dort kann ich in einer Thailändischen Familie wohnen, ein bisschen Englisch unterrichten und lerne im Gegenzug die Kultur kennen- Das was ich in Asien bis jetzt vermisst habe.
Habe doch noch einen Tag mit Gina. Tagsüber schauen wir uns einen Teil der Stadt an, abends suchen wir die Partyszene. Am nächsten Tag kommt dann die Verabschiedung und ich merke wieder einmal wie anstrengend Reisen ist. Mittags habe ich sie verabschiedet, was aufgrund unserer langen gemeinsamen Zeit emotionaler wurde als Gedacht. Als ich dann abends bei der Thai Familie im Bett liege und den Tag Revue passieren lasse sind die Gedanken an Gina schon so weit weg. In der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert…
Mittlerweile bin ich schon drei Wochen hier. Die Familie ist einfach Hammer nett. Es gibt Nittaya, die Mutter. Somneang, das Familienoberhaupt und die drei Söhne Nat (19), Nob(14) und den kleinen Nucka(9). Die Eltern sind beide Lehrer an der Örtlichen Schule, wobei die Mutter übelst engagiert ist. Sie organisiert Geld um eine Bibliothek für die Schule errichten zu können, sucht Volunteers um ihr Englisch, das ihrer Familie und das ihrer Schüler zu verbessern, engagiert sich im Tempel und versucht gleichzeitig noch, mir Kulturell etwas zu bieten….Echt der Wahnsinn.
Zurzeit haben sie jedoch Sommerferien, weswegen wir ihre Schule nur zweimal aus organisatorischen Gründen besuchen. Einmal verteilen wir Geld an die Eltern der Schüler um Schuluniformen kaufen zu können und das zweite mal für ein Meeting der Lehrer. Dafür gebe ich bei ihr zu Hause Privatunterricht. Dieser ist jedoch sehr Basic und teilweise ist es schon frustrierend wenn selbst die Zuordnung von Begriffen wie Mann, Mädchen, Baum und Sonne zu Bildern eine halbe Stunde dauert. Aber egal, es gibt immer Programm. So nimmt mich Nittaya auf eine Buddhistische Beerdigung mit, es gibt ne Spendenaktion im Tempel an der wir über mehrere Tage Eis verteilen, in der Stadt findet ein Umzug Stadt und wenn wir zu Hause sind, zocke ich mit den Jungs Playstation.
Dann war da noch vom 11. bis 15. das Songkran Fest (Thai Neujahr). Sehr witzig und es hat mich stark ans Nabaden in Ulm erinnert. Das Prinzip ist schnell erklärt. Man lädt alle seine Freunde ein, setzt sich vors Haus, spielt Musik, trinkt Bier und spritz alles und jeden Nass der vorbei kommt! Schön ist vor allem die Gastfreundschaft-habe ich 2-3Schluck getrunken ist mein Glas auf einmal wieder voll-das will ich zu Hause auch so haben!!!
Kurzer Ausblick:
Da mein Visum in ein paar Tagen ausläuft habe ich mich entschlossen Morgen (den 20.) für ein paar Tage nach Kambodscha zu gehen um dann wieder zurück nach Bangkok zu fahren und dort Bruce nach Süd Indien verschiffen.
Freue mich immer über Kommentare und Danke an alle die an mich gedacht haben.
Grüße Sam
Freitag, 3. April 2009
Peninsular Malaysia
Unser nächstes grosses Ziel ist Mersing an der Ostküste. Von dort aus wollen wir am nächsten Tag das Speed-Boot nach Pulau Tioman, eine mittelgrosse Insel im Südchinesischen Meer, nehmen. Als wir Abends hier noch im Restaurant dinieren, sitzen wir neben einer indischen Grossfamilie, die irgendwas zu feiern scheint. Als wir gerade gehen wollen, kommt ein Mädchen mit einem Teller auf uns zu, voll von der malaysischen Version der Schwarzwälder Kirschtorte. Wir sollen bleiben und den Hochzeitstag ihrer Eltern mitfeiern! Das braucht man uns nicht 2x zu sagen, und zur Schwarzwälder gibt’s sogar noch Sekt dazu! Wie unglaublich nett und gastfreundlich diese Familie ist!
Am nächsten Spätmittag kommen wir auf Tioman an, eine traumhaft schöne Insel- weisser Strand, türkisfarbenes Wasser, Kokosnusspalmen,... Wir mieten uns einen Bungalow direkt am Strand. Da grad keine Saison ist, sind nur wenig Touristen auf der Insel, schön ruhig hier. Tags drauf geht’s zum Tauchen. Der Divemaster ist ein junger Australier, dem es verdammt viel Spass macht seinem dänischen „Stift“ das Leben schwer zu machen. Was der Arme sich alles anhören lassen muss- der Australier vom Typ her so einer der nicht nur alles weiss, er weiss es sogar auch besser!, und denkt die Welt könne ohne ihn und seinen weisen Ratschlägen nicht leben. Naja, uns dienen solche Menschen eher der guten Unterhaltung weil wir uns aus ihnen einen Spass machen, haben ja nicht lange mit ihm zu tun. Nach unseren 2 Tauchgängen am Morgen setzen wir an sportlicher Aktivität am Mittag noch einen drauf und wandern, bergauf, bergab durch den Regenwald auf die andere Seite der Insel. ( Unsere Elke wäre stolz gewesen!) Die Tauchschul-Gang macht sich etwas Sorgen ob wir es vor Einbruch der Dunkelheit schaffen drüben anzukommen, denn wenn’s dunkel ist dann ist`s halt dunkel! Aber Outback Jack, wie wir unseren Divemaster heimlich nennen, gibt uns noch den perfekten Überlebenstrick mit auf den Weg: „Hey, if you get lost, just follow the powerlines!“ Danke Überlebenskünstler, ohne dich hätten wir aus dem Dschungel niemals wieder herausgefunden!
Übernachten dann eine Nacht auf der anderen Seite der Insel in einer sehr liebevoll und schön hergerichteten kleinen Anlage einer Surfschule, die Bungalows vermietet. Gleich frühmorgens am nächsten Tag müssen wir uns wieder auf den Rückweg machen, da wir Mittags das Boot zurück aufs Festland erwischen müssen. Die Fahrten mit dem Boot übrigens alles andere als prickelnd- das Ding wackelt so sehr hin- und her das ich ständig Angst habe mit samt dem Boot umzukippen. Wo ist eigentlich Outback Jack wenn man ihn braucht?- Der wüsste jetzt was zu tun wäre!
Heil am Festland wieder angekommen, bruceln wir sofort mit dem Auto weiter nach Melacca. Das ist die Stadt der ich den ersten Preis in der umständlichsten Verkehrsführung verleihe. Einmal versehentlich in die falsche Richtung gefahren- keine Chance mehr jemals wieder an den Ausgangspunkt zu gelangen, da die komplette Stadt nur aus Einbahnstrassen zu bestehen scheint. Neu-Ulm ist ein scheiss dagegen! Zu allem Übel sind hier auch noch U-Turns verboten, doch da es für uns nicht ersichtlich ist wie man hier die Richtung wechselt um an sein Ziel zu kommen, machen wir es trotzdem. Als Sam einen Inder nach dem Weg zu unserem Hostel fragt, er aber die Karte nicht lesen kann weil er Probleme mit dem Sehen hat, fährt er im Auto voraus ( wie gut das wir jetzt wissen das er halb blind ist) , wir sollen ihm folgen, er will uns zum Hostel lotsen. Seine ganze Familie sitzt im Auto und das Hostel liegt eigentlich gar nicht auf seinem Weg- wie arg nett von ihm das er uns trotzdem hinbringt!
Unser Wahl- Hostel ist ausgebucht, sodass wir in einem Guesthouse landen. Der Besitzer- wieder ein Inder. Guesthouses sind so konzipiert, das sowohl Besitzer als auch Gäste gemeinsam unter einem Dach wohnen, natürlich jeder in eigenen Zimmern. Dusche, WC, Küche aber von allen gleich genutzt wird. So hat man die Möglichkeit mit Einheimischen in engeren Kontakt zu kommen. Und unser kleiner Inder namens Stephen findet das ganz toll! Jeden Abend trommelt er all seine Gäste zusammen und will mit ihnen gemeinsam Abendessen gehen. Er ist sehr interessiert daran, das man sich bei ihm wohlfühlt. Für Inder ist es unvorstellbar alleine zu sein, alles passiert in der Gruppe, sodass man bei Indern immer aufgenommen und umsorgt wird. Gegen Ende unseren Aufenthalts bei Stephen wird uns diese typisch indische Gastfreundschaft aber fast zuviel, z.B. dann wenn er einfach in unserem Zimmer steht und fragt ob alles gut ist und wir ihn beinahe nicht mehr rauskriegen. Aber wir wissen ja das es nur gut gemeint ist. Trotzdem am Anfang als Europäer ungewohnt.
Lernen hier im Guesthouse viele nette Menschen kennen, da wir fast 1 Woche bleiben um bisschen zu relaxen. Unter anderem Ben aus England, den wir später auf der Reise noch weitere 2x zufällig treffen werden, und unser Peter, zu dem wir schnell einen freundschaftlichen Kontakt aufbauen. Peterle, wie ich ihn bald nenne, ist ein Koch aus Bayern, und da dauert es nicht lange bis wir auf die Idee kommen am nächsten Abend selbstgemachte Kässpätzla zu kochen! S’ Peterle schabt wie ein wilder die Spätzla in Stephens zweckentfremdeten Reiskocher, Stephen und ich schneiden Käse, Zwiebeln und landesspezifisches Gemüse für den asiatischen Flair klein. Ein Festessen sag ich euch! Wobei die Einheimischen Freunde von Stephen glaub bisschen ihre Probleme mit der schwere des Essens haben, was sie aber natürlich nicht zugeben wollen!
Wir verbringen die Tage sehr ruhig, da wir die Ruhe gerade etwas nötig haben- sind etwas erschöpft vom vielen unterwegs sein, das Reisen ist doch anstrengender als gedacht. Peterle macht da gleich mit! Seine Lieblingsbeschäftigung an diesen Tagen ist Shoppen gehen im grossen Einkaufszentrum gleich um die Ecke- aber nur aus dem Grund weil es klimatisiert ist. Die Temperaturen sind erbarmungslos! Ein lustiger Zeitgenosse unser Peterle, immer wieder müssen wir herzhaft mit und über ihn lachen- besonders dann als er mir erklärt, dass ich mich vor den Bakterien hier in Asien in Acht nehmen soll. Speziell tagsüber seien sie sehr aggressiv! Ah ok, gut zu wissen!
Nachdem wir Melacca verlassen, wollen wir noch mal WWOOFing so wie in Australien machen, um mal etwas runter zu kommen. Wir brauchen dringend mal wieder 2-3 Wochen in denen wir zur Ruhe kommen, in denen nicht jeder Tag was Neues passiert und in denen wir einen gewissen Alltag haben. Wir merken zur Zeit das dieser ständige Input von Neuem und die vielen Eindrücke Asiens schwer zu verarbeiten sind. Wir suchen also die einzigste Farm in Malaysia auf die dieses WWOOFing-Programm anbietet, doch leider entspricht das alles hier nicht unseren Vorstellungen. Eigentlich sollte man hier über mehrere Wochen arbeiten, wofür wir nicht die Zeit haben. Gern hätten wir hier mit anderen Gleichgesinnten zusammengearbeitet, doch ausser 1 Franzosen arbeiten hier fast ausschliesslich Indonesier, die Europäern gegenüber erst mal sehr abweisend eingestellt sind, da sie über uns aufgrund der Kolonialisierungszeit ein sehr schlechtes Bild haben und es laut dem Franzosen bis zu 4 Wochen dauert, bis sie überhaupt mal mit einem sprechen. Mich als Frau beachten sie bei unserem Besuch noch weniger als Sam. Ich kann ihr Handeln zwar nachvollziehen, hab aber auch keine Lust hier zu arbeiten ohne Kontakt mit meinen „Kollegen“ aufbauen zu können. Das ist ja nicht Sinn der Sache und so erkennen wir das das mit dem Arbeiten hier wohl leider nichts wird und fahren noch am gleichen Abend weiter zu unserem nächsten Ziel Kuala Lumpur, Malaysias Hauptstadt.
Der Vorteil daran das wir doch schon so früh in der Stadt sind ist, dass wir unser Peterle hier noch mal treffen können, für ihn geht’s morgen weiter nach Bali. Und auf Ben treffen wir hier auch zufällig wieder- zum 2x ist er im gleichen Hostel wie wir.
Der nächste Tag ist Botschaft- Tag. Erst geht’s zur Deutschen Botschaft wo für Sam und mich Post aus Deutschland wartet, danach zur Thailändischen um unser Visa zu beantragen. Dort treffen wir Sacha, einen Schweizer der in Thailand lebt und hier sein Visa verlängern muss. An der U-Bahn Station treffen wir in später wieder und unterhalten uns bestimmt 2h miteinander. Auch er ist schon viel gereist und wir vergessen absolut die Zeit solange er uns seine interessanten Geschichten aus der halben Welt erzählt. Am Ende lädt er uns zu sich nach Thailand ein, die Einladung werde nur ich wahrnehmen, aber dazu später mehr.
Da heute Freitag ist, müssen wir auf unser Visa bis Montag warten. Und da sich K.L. als eine nicht so schöne Stadt für uns entpuppt, sitzen wir hier etwas fest. Hätten wir das Visa früher bekommen, wären wir hier ganz schnell auch wieder abgehauen. Ausser den Petrona-Towers gibt es hier nicht viel zu sehen. Von den gigantischen Einkaufszentren abgesehen, aber die hatten wir in Singapur schon genug. Abends scheint die Stadt tot zu sein. Es gibt zwar paar Clubs, doch in diesen kostet ein kleines Bier mehr als die Übernachtung im Hostel! Die Bar- und Kneipenszene suchen wir vergebens. Doch eine Bar gibt’s sogar gleich gegenüber von unserem Hostel – mal wieder eine Reagge- Bar, die tausendste auf der Reise...Seit Bali verfolgt uns der totgeglaubte Bob Marley mit seinen Gesängen- da hört dann auch irgendwann selbst bei mir als früherer Fan die Toleranz auf. Die Bob Marley Phase hatte glaub ich jeder mal in seinem Leben ( wobei die Betonung auf „mal“ liegt), doch in Asien haben die noch nicht ganz verstanden das auch lebende oder modernere Künstler gute Musik machen können, die einen vielleicht nicht ganz so sehr langweilen. Naja, das sind wohl die „Luxusprobleme“ wie der Benny so schön zu sagen wusste, die wir haben.
Also gut, nachdem wir unser Thai-Visa in der Tasche haben verlassen wir den Grossstadt- Dunst. Ab in die Natur, ab in die Berge Malaysias- Cameron Highlands. Hier wird grösstenteils auf riesigen Plantagen Tee angebaut, aber auch Obst und Gemüse. Nachts brauch ich nach langer Zeit mal wieder meinen Schlafsack, sobald die Sonne weg ist wird’s frisch- schön die Nächte mal nicht schwitzend verbringen zu müssen. Besichtigen die Teeplantagen wie sie da so grün in den Bergen liegen, und folgen einer 4x4 Tour in den Dschungel, dieses mal aber mit eigenem Auto! Der Weg ist so matschig das Bruce rebelliert und stecken bleibt! Doch mit Hilfe des anderen Autos kann er wieder rausgezogen werden. Hier im Wald haben wir das Glück die grösste Blüte der Welt sehen zu können, die wohl nur eine Woche lang blüht bevor sie wieder verwelkt. Die Blüte stammt nicht von einer Pflanze sondern von einem Pilz, den stinkenden Geruch den er haben soll können wir aber nicht riechen. Wir lernen wieder viele Reisende hier oben kennen, doch meist trennen sich die Wege nach nur einem gemeinsamen Abend leider schon wieder voneinander. Auch ein Problem wenn man reist und dabei ständig unterwegs ist- man trifft zwar viele nette Menschen, doch leider bleibt der Kontakt sehr oberflächlich und die Gespräche die man führt sind immer die gleichen. Sam und mich nervt das schon langsam richtig. Immer die gleichen Fragen, immer die gleichen Antworten, immer das gleiche Bla Bla.... Da sind wir richtig froh ein drittes Mal auf Ben, unseren alten Bekannten aus Melacca zu treffen. Wieder zufällig, dieses mal auf der Strasse. Und auch den Klischee-, alternativ-, obergrünen, Leinenklamotten tragenden, kiffenden Reisenden treffen wir hier. Ich weiss nicht mal wie er heisst, denn nachdem Sam ihn fragt , wo er denn her komme, er erst mal ne halbe Minute nichtssagend dran sitzt, dann ganz langsam seinen Kopf erst nach links, dann nach rechts dreht und daraufhin Sam fragt ob er grad mit ihm spricht, muss ich mich schon beherrschen nicht laut zu lachen. Wo sein wahres Zuhause ist weiss er selbst nicht so genau- Achtung, wer jetzt weiter frägt hat ein ernstzunehmendes, philosophisches Gespräch an der Backe! Als dann noch jemand in der Runde in der wir grad sitzen was von Bäume fällen erzählt, springt er beinahe von seinem Stuhl auf und stellt ganz ungläubig die Frage-„Wie- ihr fällt Bäume??!!!“ Die ganze Runde hat jetzt schwer zu kämpfen nicht loszulachen! Ne danke, der ist mir dann doch zu weit weg vom real-life!
Unsere letzte grosse Station in Malaysia ist Georgetown. Die Stadt liegt auf einer grösseren Insel an der Westküste, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist. Die Kolonialzeit hat hier viele schöne Bauwerke im viktorianischen Stil hinterlassen, was die Stadt sehenswert macht, denn die Malaysier selbst haben für Architektur leider nichts übrig. Egal wo wir sind, egal ob Grossstadt, Kleinstadt oder Dorf- hier sieht es immer etwas runtergekommen und dreckig aus, weil die Malaysier auf Schönheit in diesem Sinne wohl keinen wert legen.
Nach paar Tagen in der Stadt wollen wir eigentlich noch etwas ins Hinterland der Insel fahren und uns nen schönen Platz an den hochgepriesenen Stränden suchen um noch etwas zu verweilen. Wir fahren die Strände ab, entdecken aber keinen Ort der schön genug wäre um länger hier zu bleiben. Also geht’s gleich weiter nach Alor Setar. Eine Stadt 20 km vor der thailändischen Grenze. Eine letzte Nacht bleiben wir hier, allein als Europäer unter der moslemischen Bevölkerung Malaysias, bevor wir am nächsten morgen, den 24.2., Thailands Grenze erreichen.
Mittwoch, 25. Februar 2009
Singapur
Sonntag, 15. Februar 2009
Malaysia- Sabah, Borneo
11. Januar 09, wir steigen früh morgens um 6 Uhr in Denpasar ins Flugzeug. Unser Ziel: Die Insel Borneo, die aus zwei Teilen besteht-dem indonesischen und malaysischen. Wir landen in Tawau auf der malaysischen Seite. Von hier aus fahren wir weiter mit einem kleinen privat-Bus nach Semporna. Der Verkehr hier auf den Strassen ist sehr ruhig und angenehm, es herrschen europäische Verhältnisse. Für uns die reinste Erholung! Von Dani und Alex wissen wir, dass es in Semporna viele Tauchschulen gibt, bei denen wir unseren Tauchkurs machen können. Mit Elke haben wir uns hier verabredet um zu dritt unseren Tauchschein zu machen. Semporna an sich hat nichts besonderes oder spezielles, es ist nur deshalb etwas bekannter, da man von hier aus auf die umliegenden Inseln kommt, die unter Tauchern sehr beliebt sind. Am zweiten Tag an dem wir hier sind treffen wir dann in der Tauchschule die uns Alex und Dani empfohlen hatten, auf Elke. Die Wiedersehensfreude ist gross! Gemeinsam fahren wir mit dem Boot so ca.1h auf die Insel Mabul, auf der wir unseren Kurs machen werden. Schon bei der Hinfahrt im Boot zeigt sich die Natur hier von ihrer schönsten Seite: dicht bewachsene, grüne Inseln mit weissen Stränden und türkisfarbenen Wasser. Sogar eine kleine unbewohnte Insel ragt aus dem Wasser, wie man sich es typischerweise vorstellt-weisser Sand, 2 Palmen, und sonst nichts.
Die Insel Mabul liegt in der Sulusee und ist in ca. einer halben Stunde abgelaufen. Die Menschen hier leben in Holzhäusern direkt am Wasser. Alles Pfahlbauten, in denen man sogar nur geringen Wellengang durch leichtes schaukeln spüren kann. So auch unsere Tauchschule. Das Haus hat mehrere Zimmer für Gäste, hier werden wir schlafen, bekommen unser Essen, unseren theoretischen Unterricht und von dort aus werden wir mit dem Boot und allem Equipment raus aufs Meer zum tauchen gefahren. Am späten Nachmittag lernen wir unseren Tauchlehrer Lee kennen. Ein 23-jähriger Engländer, der nur deshalb Tauchlehrer ist um hier selbst kostenlos tauchen zu können. Ein lustiger Kerl aber! Erhalten dann am selben Abend unseren „theoretischen“ Unterricht-3h DVD rund ums tauchen und was dazugehört. Naja, es gibt spannendere Dinge als so lange DVD zu schaun…. Danach heisst es dann in unseren Büchern die wir bekommen haben, die Fragen zu beantworten die sich auf den Film stützen. Eine Vorbereitung auf den theoretischen Teil der Tauchprüfung. Natürlich ist alles auf Englisch, sowohl Film, Buch, wie auch die Prüfung, was mir noch bisschen Sorgen macht, denn ich hab Bedenken, ob sich meine Englischkenntnisse irgendwann von mir verabschieden… Am nächsten morgen, nachdem wir uns die passende Ausrüstung ausgesucht haben,( also Flossen, Tauchanzug, Brille, usw. ) geht’s dann ab ins Wasser. Doch vorerst nicht tief-wir bleiben direkt vor dem Haus, bei einer Tiefe von vielleicht 1,5 Metern, wenn also irgendwas sein sollte muss man sich nur hinstellen und der Kopf ist wieder im Trockenem! :-) Wir gewöhnen uns erstmal daran unter Wasser zu „atmen“, und Lee zeigt uns die „skills“ die wir unter Wasser beherrschen müssen um die praktischen Teil der Prüfung zu bestehen. Dazu zählen Dinge wie die Brille fluten zu können, das Mundstück aus dem der Sauerstoff kommt aus- und wieder einzusetzen, in Notfallsituationen seinen „Tauchbuddy“ mit einem zweiten Regulator mit Sauerstoff zu versorgen, usw. Nach dem Mittagessen solls dann gleich hinaus aufs Meer gehen, um das Gelernte in 5 Meter Tiefe anzuwenden. Diesesmal hopst man halt nicht vom kleinen Steg in brusthohes, ruhiges Wasser, sondern man sitzt am Bootsrand und lässt sich rückwärts ins etwas aktiveres Meer fallen. Dann kommen noch Dinge hinzu wie das Abtauchen in die Tiefe, was eine bestimmte Technik benötigt, genauso wie der ständige Druckausgleich, der gesundheitlich gesehen natürlich sehr wichtig ist. Da ist man dann beim ersten Mal schon ganz froh, erstmal heil unten anzukommen! Ok, und jetzt alle „skills“ wiederholen. Leichter gesagt als getan, denn wenn ich so an die Oberfläche hochschau ist diese doch verdammt weit weg…..Da ist man mal nicht so schnell wieder aufgetaucht wie noch am Morgen, vorallem darf man bereits in solcher geringen Tiefe auch nicht mehr schnell nach oben schwimmen, da sonst wegen dem Druck, der auf den Körper einwirkt, Krankheiten verursacht werden können. Kurz gesagt: Lee will das ich mein Mundstück entnehme, es ungefähr 5 Sekunden draussen lasse und dann wieder einsetze, aber mit all diesen Hintergedanken im Kopf fehlt mir der Mut und ich weigere mich! Bei den anderen beiden klappts, auf der Heimfahrt im Boot bin ich daraufhin absolut entmutigt und mach mir Sorgen die Prüfung bestehen zu können. Auf meine Bitte hin nimmt sich Lee aber am Abend nochmal Zeit für mich, und wir zwei tauchen nochmal „vor dem Haus“ um die Übungen alle zu festigen- und siehe da, am nächsten Tag klappts dann auch bei mir in 5 Meter Tiefe! Wir haben dann noch weitere Tauchgänge bis zu 20 Meter Tiefe, in denen wir die Übungen ständig wiederholen. Neue Übungen, wie z.B. tauchen ohne Brille oder das Auspendeln des Körpers auf einer konstanten Höhe mit Hilfe von der Sauerstoffmenge in der Lunge (nicht einfach!), kommen hinzu. Hat man all diese Übungen unter Wasser gemeistert, eine bestimmte Distanz schwimmend im offenen Wasser zurückgelegt und die theoretische Prüfung, bestehend aus 100 Fragen (wir hatten 98% richtig!) abgelegt, bekommt man seinen Tauchschein. So sind wir jetzt alle 3 nach drei Tagen „Open Water Course“ stolze Besitzer eines scuba-divers-Tauchschein, und können auf der ganzen Welt zum tauchen gehen! Wir hängen sofort noch 2 Tage an um richtig tauchen zu gehen, denn das Tauchgebiet in dem wir lernten zählt mit der unter Naturschutz stehenden Insel Sipadan, die täglich nur 120 Menschen besuchen dürfen und für die man eine Sondergenehmigung zum Tauchen braucht , zu den 3 besten Tauchspots weltweit! Leider ist das Wetter an diesen Tagen nicht so schön, es ist noch immer Regenzeit. Die Sonne ist von Wolken bedeckt, was im Wasser zur Folge hat das man nicht dieses ausgeprägte Farbspektakel bei Pflanzen und Tieren geniessen kann. Aber trotzalledem kommen wir auf unsere Kosten und sehen unzählige Fische, deren Namen ich alle (noch) nicht kenne, Haie, Schildkröten, und natürlich die ganze Pflanzenvielfalt des Riffs, das 600 Meter in die Tiefe ragt. Die geilste Erfahrung an diesem Tauchgang war allerdings die, als wir uns an einer Stelle ganz ruhig am Riff, ohne uns gross zu bewegen, niederlassen und sich ein Schwarm von ca.500 Baracudas um uns herum versammelt-wir mitten drin, man schaut um sich, über sich und sieht nur diesen Schwarm, abgefahren! Nach 5 Tagen auf Mabul reisen wir wieder ab aufs Festland, zurück nach Semporna, verbringen dort noch eine Nacht bevor wir am nächsten Morgen mit dem Bus in Richtung Urwald fahren. Hier am Fluss Kinabatangan, der Quer durch Sabah, der östliche Teil des malayischen Borneos, fliesst, haben wir unsere 3-Tages Safari gebucht. Wenn ich dieses „gebucht“ schreibe, dann gefällt mir dieses Wort absolut gar nicht, aber das ist Absicht, denn nach dieser Erfahrung im Urwald haben wir uns auch ganz schnell abgewöhntet etwas zu „buchen“. Denn wer etwas bucht muss davon ausgehen, dass es viele, viele andere Touristen auch gemacht haben, und so landen wir unter diesen vielen Anderen im Urwald. Unter diesen typischen Touristen, die Kamera um den Hals gehängt, das Objektiv waagrecht von der Brust abstehend. Die entweder Klamotten tragen, deren Funktionen völlig übertrieben sind (z.B. Hut mit Nackenschutz vor Sonnenbrand, sieht erstensmal total dämlich aus und zu Monsunzeiten völlig over the top) oder die, die mit weissen Hosen durch matschigen Urwald laufen, sich darüber aufregen schmutzig zu werden und bei jedem Blutegel losgilfen als ginge es um Leben und Tot. Oder die Abenteurer, die alles schon gesehen und erlebt haben, zu 100% immer eine noch spannendere Geschichte zu erzählen haben als der gegenüber und regelmässig dem Tot von der Schippe springen, da ja alles so gefährlich ist was sie da draussen so erleben. Das sind die Touristen die man eigentlich nur aus Geschichten oder dummen Witzen kennt-doch es gibt sie wirklich! Wir haben sie dort im Wald getroffen, und ich glaube auf einem der Bilder ganz gut entlarvt, seht selbst! Für uns ist es aber eher eine lustige Unterhaltung, denn man hat ja doch Spass daran, sich über solche Menschen zu amüsieren. Während der 3 Tage machen wir einen Nacht-walk durch den Urwald, fahren 4X den Fluss mit dem Boot auf und ab und haben noch einen 3-stündigen Marsch am Tag durch den Wald. Einer der ausschlaggebenden Gründe, warum wir überhaupt diese Tour gebucht hatten war, das es nur noch auf Borneo möglich ist, Orang Utans in freier Wildbahn zu finden. So hatten wir uns erhofft, hier welche zu sehen. Doch wie es eben so ist mit wilden Tieren, eine Garantie sie anzutreffen gibt es natürlich nicht und leider sehen wir während der Zeit im Urwald auch keine. Dafür unzählige andere wilde Affen, Vögel, und sogar 2X vom Boot aus Elefanten am Flussufer. Vom Wald und den Bäumen sind wir etwas enttäuscht, da wir die Vorstellung von riesigen Urwald-Giganten mit mächtigen Höhen und riesigen Stammumfang hatten, es sich hier aber um Sekundärwald handelt, der Wald also nicht wirklich solche Riesen beherbergt. Trotzdem haben wir schöne Tage und lachen viel, mit ein Grund dafür ist, wohl den lustigsten Guide ever zu haben-Khai! Ein 28 jähriger, kleiner Einheimischer, dem die beiden vorderen Zähne irgendwo verloren gegangen sein müssen, der die Natur und diesen Beruf lebt. Sein Englisch alles andere als gut, sodass er auf Fragen die ihm gestellt werden mit einer Überzeugung einfach irgendwas antwortet, egal ob die Antwort passt oder nicht. Dafür hat er paar englische Sprüche auswendig gelernt, die er bei jeder Gelegenheit anbringt. Also die Lacher hat er wirklich auf seiner Seite, muss man aber glaub ich erlebt haben um es lustig zu finden. Wir übernachten in einem Lager aus mehreren kleinen Holzhütten im Wald, nahe am Ufer zum Fluss gelegen und teilen unsere Hütte mit 3 Engländern, die panische Angst davor haben, von Moskitos gestochen zu werden, sodass sie nachts die komplette Hütte einräuchern um sich vor ihnen zu schützen. Um Moskitos muss ich mir also keine Sorgen mehr machen, dafür aber, nachts an einer Rauchvergiftung sterben zu müssen…… Tja, da lauern sie, die unvorsehbaren Gefahren! :-)
Nach diesen lehrreichen Tagen geht’s für uns weiter nach Sandakan. Einer der hässlichsten Städte die ich je gesehen habe, und für uns nur deshalb interessant, weil es dort eine Orang Utan –Aufzuchtstation gibt. Da wir keine Wilden gesehen haben, möchten wir sie uns hier anschauen. Wir kommen genau richtig zu Fütterungszeit, doch auch heute bekommen wir wieder zu spüren dass der Monsun noch nicht vorbei ist und sind am Ende klitschnass, Sam’s Kamera geht beinahe wegen einem kleinen Wasserschaden kaputt. Tags darauf fahren wir, wieder mit dem Bus, nach Kota Kinabalu (KK).Für Sam und mich die in absehbarer Zeit letzte längere Busfahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn danach fliegen wir nach Singapur, wo wir endlich das Auto empfangen werden! Wir verbringen 5 Nächte in KK, die ersten 3 Tage ist Elke noch mit dabei, dann muss sie aber nach 4 Wochen Urlaub wieder zurück nach München fliegen. Zusammen mit ihr haben wir noch sehr lustige Tage hier. Wir verbringen einen wirklich ausserordentlich ereignisreichen Abend mit ihr zuerst in einer Kneipe. Während wir dort so sitzen, geht über uns das wohl heftigste Gewitter ein das ich je erlebt hab. Die Donnerschläge sind ohrenbetäubend! Danach treibts uns noch in einen Club. Würde alles zu weit führen die ganzen Highlights diesen abends zu erzählen- es war der pure Spass! Eine Sehenswürdigkeit für sich in dieser Stadt ist der Nachtmarkt. Zig Gemüse-, Obst-, Fleisch- und Fischstände reihen sich aneinander, doch das Beste sind die Essensstände. Seit dem ich in Asien bin, esse ich viel Fisch und der gleichen, aber hier gibts mit Abstand den allerbesten! Man läuft einfach zu einem der Stände hin, sucht sich einen noch nicht zubereiteten Fisch oder ein anderes Meerestier aus, das dann vor einem frisch gegrillt wird. Über den Markt zieht der Rauch und der Geruch der vielen Grillstände, es herrscht eine ganz arg angenehme Stimmung, wir sitzen inmitten der Einheimischen und essen unseren Fisch mit Reis. Die Einheimischen erklären uns wie wir essen sollen: mit den bloßen Fingern. Bereits auf Bali hab ich das mancherorts beobachtet das die Menschen das so machen. Zuerst zögern wir, aber bei unserem nächsten Besuch hier machen wir es genauso , meine Mama wird sich vorstellen können wie viel Spass mir das Essen ohne Besteck macht! Und hier ist es erlaubt! Was uns hier in der Stadt zum ersten Mal auffällt, ist das perfekte Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen. Egal ob Moslems, Chinesen, Buddhisten, Hinduisten-jeder kann hier seinen Glauben und seine Kultur ungehindert ausleben. Eine beispielhafte Multi-Kulti-Gesellschaft. Gerade bereiten sich die Chinesen auf das bevorstehende chinesische Neujahrsfest vor, das am 25.1. beginnt und ganze 2 Wochen gefeiert wird. Sie veranstalten Konzerte auf den Strassen, in der Stadt hängen vielerorts die typisch roten Lampenschirme über den Gassen. Ich bezweifle das in Deutschland diese Offenheit anderer Kulturen gegenüber besteht. Oder wissen wir in Deutschland schon grossartig viel bescheid darüber, wie die türkische Familie von nebenan ihren Glauben oder ihre Kultur lebt?!
Unsere Elke verlässt uns also nach vielen gemeinsamen schönen Tagen in Indonesien und Malaysia, es ist immer sehr schade sich von liebgewonnenen Mitreisenden zu verabschieden. 2 Tage später geht’s für uns dann mit dem Flugzeug weiter nach Singapur. Die Stadt der Moderne…….. Das wars mal wieder von uns. Liebe Grüße aus Asien …Achso, über Kommentare und Anregungen freuen wir uns Jederzeit…
Samstag, 31. Januar 2009
Indonesien
Mit dem Taxi geht’s dann weiter nach Kuta. Die Fahrt dorthin- der pure Wahnsinn! Die engen Strassen sind gestopft voll mit Autos und Mopeds. Auf den ersten Blick sehen wir keine Regeln oder irgendeine Ordnung nach der die Fahrer hier fahren. Überholt wird von allen Seiten, angekündigt durch vorheriges, mehrmaliges Hupen. Selbst nachts um diese Zeit ein unglaubliches Verkehrsaufkommen, sodass wir eine halbe Ewigkeit für die 5km nach Kuta brauchen, und noch viel länger bis wir dann schliesslich auch ein Hotel gefunden haben. Es ist zwischen Weihnachten und Silvester und da Kuta eine Touristenhochburg ist, ist die Stadt gerammelt voll! Für Sam und mich stellt genau das ein riesiges Problem dar. Gewöhnt an australische Verhältnisse hatten wir echt zu Anfang den völligen Kulturschock! Australien in seiner Grösse natürlich überhaupt nicht von Menschenmassen überlaufen, der Verkehr auf den Strassen genauso geregelt wie Zuhause in Deutschland und als Tourist fällt man zwischen den Australiern natürlich auch nicht so aus dem Bild wie hier in Asien. Man kann hier keine 5 Meter laufen ohne angesprochen zu werden. „Transport, Transport?“-Die ständige Frage, und an jeder Ecke die Aufforderung Klamotten, Souveniers, etc. zu kaufen. Aber die witzigste Erfahrung war, als wir am ersten Tag zum ersten Mal essen gingen wollten. Wir sind in so eine kleinere Halle gegangen, in der mehrere kleine Restaurants waren. Kaum hatten wir die Halle betreten, kam aus jedem der Restaurants ein Bediensteter raus, alle fangen- ohne Witz- das Brüllen an als ob es kein morgen mehr gäbe! Wir haben natürlich kein Wort verstanden, aber es war klar, dass sie alle ihre Gerichte anboten und wollten, dass wir bei ihnen essen. Dieser ganze Trubel um uns herum und die Aufmerksamkeit die man hier erregt war am Anfang sehr ungewohnt für uns, und es dauerte auch eine Weile bis wir uns daran gewöhnt hatten. Was vielleicht erschwerend hinzu kam ist, das Kuta ein wirklich ganz schlimmer Touristenort ist. Das Mallorca der Australier! Später hab ich in einem Buch über Indonesien folgende Sätze über Kuta gelesen: „Kuta ist das Geschwür eines sonst intakten Körpers. Wer einmal dort gewesen ist, wünscht sich, nie dort gewesen zu sein!“ Besser ist dieser Ort meiner Meinung nach nicht zu beschreiben!
Am zweiten Tag fahren wir mit einem Guide nach Ubud und weiter Richtung Norden und schauen uns die Insel etwas genauer an. Wir kommen vorbei an wunderschönen Reisterassen, besichtigen einen noch aktiven Vulkan und einen Buddhistischen Tempel. Alles sehr, sehr schön! Aber auch die üblichen Touristenabzock-Orte fährt unser Guide an, was uns total ankotzt! Denn wir haben kein Interesse wie die „normalen“ Touristen unterwegs zu sein-wir sind Traveller, mann! :-) Dabei landen wir auch in einer der vielen Batik-Fabriken. Ich weiss echt nicht wie man so stolz auf Batik sein kann, aber die Balinesen sind es! Und überall wollen sie einem diese hässliche(entschuldigung!) Kunst anbieten. Und unter Batik verstehen sie nicht die Batik die wir aus Deutschland kennen, es ist eher ein bemalen von Stoffen, sieht aber echt nach nichts aus. Das krasseste an diesem Tag war jedoch, das egal wo wir waren, also innerhalb einer Ortschaft oder ausserhalb einer Ortschaft, Stau war. Was zur Folge hat das man für relativ wenige Kilometer unglaublich viel Zeit benötigt. Kaum angehalten mit dem Auto stürmen verkaufslustige Menschen mit dem letzten Scheiss in den Fingern ans Auto und reden auf einen ein, man solle doch was kaufen-anstrengend!!!! Wir sind auch nach diesem Tag total geplättet und fragen uns wieder, warum Bali ein so beliebtes Ziel vieler Touristen ist. Aber vielleicht gerade aus dem Grund, da es komplett auf diese ausgelegt ist und man auch hier typisches westliches Essen kriegen kann. Doch uns macht das alles absolut keinen Spass und wir haben nur noch einen Wunsch-Flucht!! So schnell wie möglich weg von Bali- nach Java! Die Insel westlich neben Bali, auf der unsere Weg nach Norden weiter geht. So kommt es das wir bereits nach nur 3 Nächten Bali verlassen, in der Hoffnung Orte zu finden, die uns mehr zusagen. Unser Guide bringt uns am nächsten morgen zur Fähre. Davor sollen wir aber noch den Sonnenaufgang am Vulkan geniessen-auch so eine Touristen-Masche: Da wird jeder Sonnenauf und –untergang zu Geld gemacht, wenn das Wetter halt nicht mitmacht hat man davon auch nix……tststststst……. Sam hat irgendwann mal ganz richtig gemeint, wenn uns das Geld ausgeht, dann lassen wir T-Shirts drucken auf denen steht: No transport, no Batik, fuck sunrise, fuck sunset- das würde sicher jeder Tourie kaufen um in Ruhe durch die Strassen laufen zu können!
Ok, nach einer Stunde auf der Fähre für vielleicht 5km Strecke und einer weiteren halben Stunde Fahrt im Bemo (das Reisen in Indonesien benötigt soooo viel Zeit, egal wie und wo……), erreichen wir Banyuwangi auf Java. Hier gleich der nächste Schock! Auf Bali zuviele Touristen, hier keine Spur von westlichen Menschen! Wir werden angestarrt, haben Probleme uns auf Englisch zu verständigen, und erleben zum ersten Mal, das wir in einem Land sind das zu mehr als 80% aus Moslems besteht. Die Stimmung in dieser Stadt scheint irgendwie komisch zu sein, ich weiss nicht genau warum, denn im Grunde genommen sind die Menschen sehr nett. Wahrscheinlich liegt es daran das wir zu spüren bekommen Fremde zu sein. Die Stimmung bei Sam und mir ist gedrückt, Bali hat uns nicht gefallen weil zuviel Tourismus war, hier in dieser Stadt fühlen wir uns auch nicht wohl, weil wir wie ein Fremdkörper sind-uns kann man es wohl nicht recht machen :-). Es ist alles nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Landschaftlich sind wir bereits auf Bali voll auf unsere Kosten gekommen, doch sind wir erstaunt darüber, keinerlei anderen Traveller in unserem Stil zu treffen. Doch das soll sich bald ändern! Am nächsten Tag machen wir uns über Propolingo zum Mount Bromo (aktiver Vulkan) auf. Wieder lange Busfahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln-für nur 200km brauchen wir 8 Stunden-kein Witz! Dies liegt nicht an den Strassen, sondern auch hier an dem hohen Verkehrsaufkommen und den dadurch entstehenden Staus. Java ist die in Indonesien am dicht besiedelste Insel. Durchschnittsgeschwindigkeit vielleicht 40 km/h, ständig Pausen für aus-und einsteigende Passagiere. Jedes Mal wenn der Bus hält, stürmt ihn eine brüllende Menschenmenge. Von jungen Jugendlichen bis hin zu alten, buckligen Weibern, die alle etwas verkaufen wollen, meist Trinken und kleinere Snacks. Ab und an steigen auch Jungs zu, mit der Gitarre in der Hand spielen und singen sie uns Lieder vor. Wir kommen in der Dunkelheit in Bromo auf 2329m an, zum ersten Mal friere ich seit dem ich Deutschland verlassen habe – irgendwie schön! Am nächsten morgen beim Frühstück sitzen 3 deutsche Mädels mit im Restaurant. Da wir keine Ahnung haben was wir machen wollen nachdem wir den Vulkan gesehen haben und unser Plan eigentlich der war, Reisetipps anderer Traveller nachzugehen, sprech ich die 3 an, ob sie uns was empfehlen können. So kommen wir ins Gespräch mit Elke, Alex und Dani, und es stellt sich schnell raus das wir da ganz arg nette gefunden haben! ( Gruss an euch 3! :-) ) Sitzen dann noch später, nachdem wir wegen schlechtem Wetter leider nicht zum Vulkan reiten können um ihn aus der Nähe zu betrachten, mit den dreien 2h in einem Cafe. Dort schmieden wir gemeinsame Zukunftspläne. Sam und ich fahren noch am gleichen Tag nach Yogyakarta, die 3 wollen tags darauf nachkommen. Für 300km 10 Stunden Fahrt in engen, überfüllten Bussen -wie sehr wir uns in diesen Momenten das Auto herbeiwünschen!!
Yogyakarta-schon jetzt einer meiner Lieblingsstädte, obwohl ich in meinem Leben ja noch nicht allzuviele Grossstädte gesehen habe. Viele, viele Menschen die alle total nett sind, sehr viel Grün und ein Labyrinth aus hunderten von kleinen Gassen, die so schmal sind das keine Autos hindurchpassen, in denen das Leben aber mindestens genauso pulsiert wie auf den großen Hauptstraßen. Überall kleine Essenswägen auf 3 Rädern, die eine grosse Auswahl an unterschiedlichstem Gerichten anbieten. Die Restaurants gemütlich und unser Hotel, da es ein Künstler betreibt, ein Kunstwerk für sich! Hier also feiern wir Silvester. Leider treffen wir an diesem Abend nicht wie geplant unsere 3 neuen Freundinnen, denn die hängen fest in indonesiens Verkehrshölle und kommen später als geplant in Yogyakarta an, erst kurz vor Mitternacht und das überforderte Handynetz ermöglicht keine Kommunikation. Doch wir lernen eine Gruppe einheimische Jungs und Mädchen kennen und es wird auch so ein lustiger Abend in einem Pub. Nach einem kurzen Feuerwerk um 12 wird uns bereits um halb 2 Uhr nachts erklärt das der Pub jetzt zu macht und es nichts mehr zu trinken gibt-hallo????? Silvester, halb 2 Uhr???? Naja gut, in einer Kultur in der kaum getrunken wird feiert man dann wohl doch etwas ruhiger als wir das gewohnt sind! Aber ich schaff es trotzdem nach Sonnenaufgang im Hotel einzulaufen! Am nächsten Tag treffen wir auf unsere 3 Mädels, die auf dem Weg nach Yogyakarta noch Horst aufgegabelt haben, ein weiterer deutscher Reisender. Es stellt sich heraus das die 4 im gleichen Pub Silvester gefeiert hatten wie wir, wir uns aber wegen den vielen Menschen leider nicht gesehen hatten…. Wir ziehen alle ins gleiche Hotel und besichtigen gemeinsam die 2 grössten Tempelanlagen auf Java. Den buddhistischen Tempel Borobudur und den hinduistischen Tempel Prambanan. Beide unglaublich schön, Borobudur in einer faszinierenden Kulisse zwischen Bergen und Regenwald. Da wir in den frühen Morgenstunden da sind ziehen Nebelschwaten über die Berge und den Wald , was die magische Stimmung diesen Ortes unterstreicht. Ich bin fasziniert. Der Tempel Prambanan ebenfalls ausserordentlich schön, leider ist er bei einem Erdbeben 2006 sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, sodass man nicht alle Teile betreten kann, und er noch teilweise restauriert wird. Tags darauf schauen wir uns alle gemeinsam die Stadt genauer an und landen unter anderem auch auf dem Vogelmarkt Yogyakartas. Man muss das gesehen haben auch wenn es für Tierliebhaber und für mich persönlich aus beruflichen Gründen eine Herausforderung ist! Tiere (und nicht nur Vögel) werden zum grössten Teil nicht Artgerecht gehalten. Die Käfige viel zu klein, kleine Küken sind in Neonfarben besprüht weil das den Kindern so gefällt, wir sehen Tiere die unter Artenschutz stehen und eigentlich nicht auf so einen Markt gehören, und es stinkt erbärmlich. Ständig muss ich daran denken welche Krankheitserreger ich mir hier durch blosses einatmen holen könnte. Paar Stände weiter kann man das Tierfleisch kaufen, zerkleinert wird es auf Holzbrettchen, liegt teilweise in der Sonne, auf jeden Fall aber ungekühlt und von Fliegen besucht, zum Verkauf bereit. Seit dieser Erfahrung esse ich kein Fleisch mehr, nur noch Seafood!
Nach 5 Tagen verlassen wir Yogyakarta und trennen uns von unseren lieben deutschen Freunden. Mit denen wir sehr viel Spass hatten. Elke werden wir aber wieder sehen, da wir gemeinsam mit ihr in Malaysia unseren Tauchschein machen wollen. Sam und ich beschliessen nach Lombok weiterzureisen. Zwar wieder ein Schritt entgegengesetzt unserer Reiseroute, aber uns wurde empfohlen dort hin zu gehen. Da uns der Weg auf den Strassen eindeutig zu lange dauert fliegen wir zurück auf unser „geliebtes“ Bali, um von dort aus mit der Fähre nach Lombok überzusetzten. Dani, Elke und Alex empfehlen uns ein nettes Städtchen direkt am Hafen von Bali nach Lombok, und so landen wir in Padang Bai: Ein kleines Örtchen, das aufgrund seiner Lage als Verbindungsstück zwischen den beiden Inseln tausende von Touristen anzieht, aber auch landschaftlich gesehen sehr schön ist. Ein Strand wie ich ihn mir vorstelle-weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, Felsen und Palmen. Wir kommen nachts gegen 2 Uhr hier an, der Taxifahrer lässt uns vor einem Hotel aussteigen, gleich gegenüber die Kinky- Reagge-Bar vor der noch ein paar Gestalten sitzen. Wir sprechen sie an, paar einheimische Jungs die die Bar betreiben, sie laden uns noch zu einem Getränk ein. So sitzen wir dann mit ihnen bis in die Morgenstunden, da das ominöse eine Bier mal wieder doch mehr Zeit in Anspruch genommen hat als erwartet, und haben richtigen Spass zusammen. Wir fühlen uns wohl hier. Hier ist genau die richtige Mischung zwischen Travellern und Einheimischen, zwischen Party und der Möglichkeit sich zurück zu ziehen und zu relaxen. Darum beschliessen wir länger als geplant hier zu bleiben. Letztendlich streichen wir sogar wegen Bali (wer hätte das noch paar Tage nach unserer ersten Ankunft auf der Insel gedacht??!!) und dem enormen Zeitaufwand in Indonesien zu reisen, unser geplantes Ziel Lombok. Manchmal muss man einfach abwägen was am meisten Sinn macht, denn alles in einem Land werden wir sowieso nie sehen können, das ist uns ziemlich schnell klar geworden. Das ist leider nur dann möglich, wenn man wirklich ohne Zeitlimit reist. Ausserdem sind wir (nach unserer ersten Bali-Erfahrung) etwas verunsichert und wissen ja nicht was kommt-möglicherweise könnte es uns dort nicht gefallen, also bleiben wir lieber hier wo es uns gefällt , verbringen ein paar schöne Tage und feiern Sam’s Geburtstag. Wir mieten uns zwei Mopeds, fahren einen Tag lang einen kleinen Teil der Insel ab und bewundern ihre Schönheit. Vorbei an grünen Reisterassen, wilden Affen, tropischen Gärten und einer verlassenen Tempelanlage, weit ab vom grossen Touristenspektakel . Die Einheimischen Jungs aus der Bar sind sehr nett und gastfreundlich, so sitze ich beispielsweise eines Mittags bei ihnen Zuhause zum Mittagessen. Der ganze Tagesablauf und die Lebenseinstellung hier ist absolut gechillt-bei uns macht sich dieses typische „Urlaub am Meer-, Sonne-gute Laune,-easy-living-feeling“ breit. Doch umso länger wir hier bleiben und Einblick in dieses Leben haben, umso mehr Facetten sehen wir fallen, was uns auch andere Touristen die hier schon seit Jahren ihre Urlaube verbringen, durch ihre Geschichten und Erfahrungen bestätigen. Langjährige Freundschaften zwischen Europäern und Einheimischen zum Beispiel scheinen dann vorbei zu sein wenn Geld ins Spiel kommt. Die jüngeren in unserem Alter sind nur darauf aus, sich ein europäisches Mädchen zu angeln, denn die haben Geld. Keiner der Jungs aus der Bar hat eine einheimische Freundin, wenn sie welche haben, dann meist Deutsche und von ihren Familienmitgliedern erzählen sie uns auch, dass die meisten eine deutsche Freundin haben. Während wir zurück nach Denpasar fahren um über Kuala Lumpur nach Tawau auf den malaysischen Teil von Borneo zu fliegen, denken wir viel über diese Geschichten nach. Wie ernst gemeint ist diese nette, freundliche Art der Einheimischen uns gegenüber gewesen? Waren sie nur deshalb bemüht uns einen schönen Abend zu ermöglichen um mehr Geld zu verdienen, oder mochten sie uns als Person? Wollen sie nur eine Freundschaft aufbauen, weil sie wissen, dass wir Geld haben? War ich nur zum Mittagessen eingeladen, in der Hoffnung der Jungs, wieder eine Deutsche rumzukriegen? Was war ehrlich gemeint, was nicht? Auf die meisten Fragen die man sich so stellt haben wir Antworten gefunden. Ich glaube, die Menschen hier sind vom Grundcharakter her ganz arg liebe, und viel offenherziger als wir Europäer. Doch in vielen Fällen lassen sie sich von ihrer Gier nach Geld leiten und holen es sich nicht immer auf dem ehrlichsten Weg von denen die es in ihr Land tragen-den Touristen. Es geht wie immer also nur ums Geld. Für uns ist es schwer zu erkennen wer aus diesem Grund nett zu uns ist oder einfach nur weil derjenige so ist wie er ist. Mit diesen Gedanken im Kopf endet für uns Indonesien. Es ist der 10.Januar 09. Obwohl es sehr, sehr schön war und wir viele tolle Sachen gesehen und erlebt haben, hat man in diesen Momenten den leisen Wunsch einmal nur kurz Heim zu gehen, die guten Kässpätzla von Mama zu essen, in seinem eigenen Bett zu schlafen und alle seine Lieben um sich zu haben, von denen man ganz genau weiss, das sie einen ernsthaft mögen, egal ob mit Geld oder ohne. 6 Stunden später nachdem ich diesen Wunsch Sam gegenüber geäussert habe kommt eine SMS von meiner Mama: „Wir feiern morgen den Geburtstag deines Bruders, es gibt Kässpätzla-wollt ihr nicht auch kommen?“