Sam schreibt:
Da wir vom letzten Mal noch wissen wie lange es an der Grenze dauern kann, machen wir uns am Morgen des 24.2. frühzeitig auf den Weg zur Thailändischen Grenze. Diesmal geht alles reibungslos und zügig, so dass wir um die Mittagszeit mit Bruce auf Thailands Straßen unterwegs sind.
Schnell wird uns klar, dass Thailand wieder ein ganz anderes Land ist. Ich versuche an der Grenze eine Versicherung fürs Auto zu bekommen und trotz der Mithilfe weiterer Passanten geb ich irgendwann auf und bezahle was sie mir anbieten-Englisch ist halt nur in Touristengebieten verbreitet.
Aber es gibt auch positives. Bestanden Zimmer in anderen Asiatischen Ländern aus vier Wänden und den benötigten Möbeln, wird hier mehr Wert auf Einrichtung und Schönheit gelegt. Es hängen Bilder an den Wänden, es wird dekoriert und es gibt sogar wieder Zimmerpflanzen -für mich ein Muss!!!
Unser Ziel ist Phuket-eine Insel an der Westküste Thailands, jedoch ein gutes Stückchen entfernt. Wir beschließen zu schauen wie weit wir kommen und landen am späten Nachmittag in Krabi. Ein kleineres Städtchen, das als Startpunkt zum Inselspingen genutzt wird und laut Reiseführer über super Strände verfügen soll. Preislich ist Thailand wieder Top. Für das saubere Doppelzimmer bezahlen wir 6Euros und der Startpreis für Essen ist wie überall in Asien 1Euro…Am nächsten morgen wollen wir eigentlich gleich weiter, jedoch hat ein Flyer fürs Pferdereiten Ginas Interesse geweckt woraufhin wir dort vorbeischauen. Meinen positives Reiterfahrungen zum Trotz sind mir umgerechnet 50Euro (Laut Gina der gleiche Preis wie zu Hause) zu viel. Da wir für diesen Tag schon zu spät sind, bucht Gina für den nächsten und wir verbringen den Rest des Tages auf der Suche nach dem laut Reiseführer perfekten Strand. Alles was wir jedoch finden ist eine weitere Touri Stadt mit Mc Donalds, Burger King, Subway und durchschnittliche Strände mit ca. 10Meter Sandstreifen-Sieht so etwa das Paradies aus?
Nach zwei weiteren Nächten und einen gechillten Tag geht’s dann Richtung Phuket. Auf dem Weg dorthin lassen wir uns den in einer Höhle liegenden 20Meter langen Buddha nicht entgehen. Es gibt noch weitere Buddha Statuen und Unmengen von Lang Schwanz Makaken. Nachdem unser Urwaldführer auf Borneo in seinem beschränkten Englisch diesen Namen so oft und mit soviel Liebe ausgesprochen hat, musste ich die Tiere einfach in mein Herz schließen, stoße jedoch nicht auf Gegenliebe. Laut unserem damaligen Guide machen sie „eating to the Fruit.“ Als wir aus der Höhle rauskommen sitzen sie jedoch auf Bruces Roofrack und machen „eating to the Klapptisch“-es scheint zu schmecken, da sie das Auto zu verteidigen beginnen als wir uns nähern…
Phuket ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden, sodass wir uns dort mit eigenem Auto frei bewegen können. Wir entscheiden uns die Westküste runter zu fahren und halten nach Stränden Ausschau. Allerdings ist Phuket Pauschaltouristenland und auch wenn ich noch nie dort war, fühl ich mich wie am Ballermann. Manche Straßenzüge sind fest in Westlicher Hand. Nicht nur dass es mehr Touristen als Einheimische gibt. Auch die Shops heißen „Bei Otto“ „Lisas Hostel“ und so Weiter. Sämtliche Internationalitäten sind vertreten. Als wir an einem Aussichtspunkt anhalten machen wir eine weitere Feststellung. Man sieht von hier zwar einen guten Teil der Insel, das Meer und die Strände. Bei genauem Hinsehen fällt aber auch auf, dass die Insel ziemlich bebaut ist und man überall Hotelkomplexe wie kleine Pilze in der Landschaft sieht. Wird hier wieder einmal, wie so oft, versucht etwas den Touris zu verkaufen, das eigentlich gar nicht so schön ist??? Das Gelobte Land finden wir hier also auch nicht weswegen wir bis in den Süden der Insel, nach Phuket City fahren. Die Stadt ist hässlich und die Orientierung fällt etwas schwer, so dauert es bis wir unser Hostel finden. Die Besitzerin steht gerade vor der Tür als wir ankommen und empfängt uns herzlich. Das Hostel ist wirklich schön und die Zimmer Erstklassik. Fragen nach einem Discount tun wir trotzdem. Sie meint daraufhin:“ Billiger kann ich es euch nicht geben. Aber ich habe noch eins mit Klimaanlage, das könnt ihr für den gleichen Preis haben. Ihr wollt ja nach der langen Reise sicher nur schlafen.“ Ich denk mir nur WTF-denkt die wirklich dass dies seit Australien unser erster Stop ist??? Egal-abends versuchen wir mal wieder feiern zu gehen und treffen auf einen sehr interessanten Menschen(natürlich aus Deutschland) aus dem wir nicht so ganz schlau werden. Er spricht uns an und so kommen wir ins Gespräch. Irgendwann meint er, dass er nur Einheimische Freunde hat und wenn er alleine Unterwegs ist auch viel lieber Einheimische anspricht. Auf die Gegenfrage warum er uns dann angesprochen hat wusste er auch nicht weiter…Ja ne, ist klar-Ich tippe auf Schizoide Persönlichkeit…
Am nächsten Tag chillen wir und buchen unser Fährticket auf die Insel Ko Phi Phi. Der Drehort zu Leonardo Di Caprios Backpackerfilm „The Beach“. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass die Insel voller Touris ist. Mittlerweile sind wir vom Reisen enttäuscht. Wir hetzen von Tourisattraction zu Touriattraction und überall versuchen uns die Leute zu erklären, dass dies das Paradies sei und eine noch so wichtige Sehenswürdigkeit. Ich fange an zu überlegen, warum ich hier auf einmal 100 Tempel, 250 Strände und noch mehr Städte anschauen sollte. Zu Hause bin ich ja auch nicht jedes Wochenende losgezogen und habe die Kultur deutscher Städte erforscht. Dazu kommt noch die Tatsache dass man zu anderen Travellern nur schwer eine Beziehung aufbauen kann, da die meisten nur 2-3 Tage an einem Ort bleiben bevor sie weiterziehen. So viel Glück, dass sich die Reisepläne überschneiden wie bei der Elke auf Borneo hatten wir seitdem nicht mehr. Den Gedanken eine Beziehung zu Einheimischen aufzubauen hatten wir seit Padang Bai nicht mehr-über kurz oder lang geht es da immer nur ums Geld! Wir vermissen den Chris aus Australien mit seiner Butterfly Farm. Dort konnte man ein paar Wochen abhängen, sich vom Reisen erholen, hatte eine kleine Aufgabe und Kontakt zu anderen Reisenden sowie zu Einheimischen die auch ehrlich interessiert an einem waren.
Wir bleiben trotzdem 4 Tage. Gehen Tauchen, schauen uns den berühmten Strand aus „The Beach“ an, erkunden die Insel und Feiern die Half Moon Party. Zwischendurch treffen wir noch 3 Deutsche Mädels mit denen wir die Abende verbringen…
Auf der Fähre zurück nach Phuket treffen wir die Entscheidung erstmal getrennt weiterzureisen. So hat jeder Zeit für sich, das Erlebte zu verarbeiten und sich Gedanken zu machen wie die Reise weitergehen soll. Ich fahre Gina noch nach Surat Thani an der Ostküste von wo aus sie dann die Inseln im Golf von Thailand, sowie die berühmt berüchtigte Vollmondparty besuchen will. Für mich selber habe ich andere Pläne. Ein paar Tage Chillen, Erlebtes verarbeiten, Gedanken sammeln und mich mit Bekannten in Kontakt setzen die schon eine ähnliche Reise gemacht haben.
In Thailand gibt es die Möglichkeit zum abschalten für eine paar Tage in einen Tempel zu gehen. Dort wird dann gefastet, geschwiegen und natürlich viel meditiert. Aus meinem Reiseführer weiß ich, dass sich ein bekannter Temple hier in der Nähe befindet und so mache ich mich, nachdem ich Gina verabschiedet habe, auf den Weg. Man muss mir meine Orientierungslosigkeit wohl angesehen haben, denn ich werde nach kurzem von einem Mönch angesprochen mit dem sich ein gutes Gespräch entwickelt. Die Meditationskurse bieten sie zurzeit nicht an aber er lädt mich trotzdem ein, für ein paar Tage bei sich zu wohnen. Voll nett-aber ich muss erstmal andere Dinge erledigen. Nach zwei Stunden verabschiede ich mich und setze meinen Weg an der Ostküste Richtung Bangkok fort.
Für den Weg nach Bangkok brauche ich 6 Tage in denen ich viel im Internet abhänge um alternative Reisemöglichkeiten zu finden und mache eine schöne Entdeckung. Statt den Highlights des Reiseführers zu folgen, fahre ich Höhlen, Strände und Nationalparks an, die nur auf meiner Straßenkarte eingezeichnet sind. So habe ich absolut keine Erwartungen, was ich dort vorfinden werde und finde dabei richtige Perlen. Den Khao Sam Roi Yot Nationalpark zum Beispiel. Super Aussichtspunkte, eine schöne Höhle und auch Strände. Auch Bruce Herz schlägt höher als ich ihn mal wieder über den Strand jage. Ich weiß-tief in seinem Herzen vermisst er Australien und ist über jede Möglichkeit froh, zu Zeigen was er eigentlich kann.
In Bangkok angekommen weiß ich so langsam was ich will-Weniger Tourikram, mehr Kontakt zu Einheimischen. Ich suche mir ein ruhiges Hostel und geh die Tage sehr chillig an, indem ich nur eine Tourisache pro Tag anschaue. Verbringe so eine Woche bis ich mich wieder mit Gina treffe, die nun auch in Bangkok ist. Es ist schön, mal wieder mit jemand zu reden, den man kennt und bei dem man nicht mit „Hallo ich heiße-ich komme aus-…“ anfangen muss. Über ihre weiteren Reisepläne ist sie sich nicht sicher, fährt aber am nächsten Tag mit dem Zug nach Chiang Mai im Norden von Thailand.
Da es für mich nichts mehr zu planen gibt, habe ich mich für die nächste Woche in einem Tempel zum meditieren angemeldet. Die Wahl fiel auf Wat Sanghathan da er trotz der Nähe zu Bangkok über viel Natur und Seen verfügen soll. Dort angekommen geht’s erst mal zum Interview mit Frank, einem Amerikaner, der aber schon 10Jahre als Mönch in Thailand lebt. Ein sehr netter Mensch, der sich viel Zeit nimmt und mich nicht nur in die Techniken des Meditierens einweist, sondern mir auch viel über den Buddhismus erklärt. Außerdem ist noch Patrick da-ein Deutscher der seit 2Jahren als Novize in Thailand lebt. Zum besseren unterscheiden tragen Mönche und Novizen Orange. Laien, wie ich, sind komplett in Weis gekleidet. In einer kleinen Zeremonie muss ich die acht Gelübde ablegen:
-keine Lebewesen töten.
-nicht stehlen.
-kein Sex.
-nicht Lügen.
-keine Drogen legal oder illegal.
-nur eine Mahlzeit am Tag und das vor 12Uhr Mittag.
-kein singen oder tanzen.
-keine luxuriösen Betten oder Stühle.
Vor der einen Mahlzeit habe ich am meisten Respekt. Esse ich doch sonst immer den ganzen Tag. Aber, und das ist die beste Erfahrung die ich mache: Man braucht nicht viel zum leben-auf die meisten Dinge kann man verzichten. Es geht einem ohne sogar besser. Natürlich bekomme ich gegen Abend Hunger, aber da es einfach nichts gibt, verschwende ich auch keinen Gedanken daran. Das gleiche mit Handy, Internet und so weiter. Da die Dinge nicht erlaubt sind, vermisse ich sie auch nicht. Die Zeit dort tut mir gut. Ich merke wie ich Dinge der Reise aufarbeite und richtig erholsam schlafe. Da die meisten der Leute dort Thais mit beschränktem Englisch sind, freunde ich mich mit Patrick an. Auf der Suche nach Action fahren wir eines Abends noch an die Tankstelle und kaufen Schokolade(die auch nach 12Uhr noch erlaubt ist). Zu Hause wäre es wohl auf Bier hinausgelaufen, trotzdem fühlen wir uns wie kleine Rebellen. Egal-Patrick ist echt witzig!!!
Anschließend geht’s wieder nach Bangkok wo ich per Mail erfahre, dass Gina in ein paar Tagen wieder in Bangkok ist um dann nach Hause zu fliegen. Sie kann die vielen Eindrücke nicht verarbeiten und deswegen neue Sachen gar nicht genießen, was ich sehr gut verstehen kann-Trotzdem sehr schade, hatte ich mit Gina doch viele schöne Momente.
Ich warte also noch ein paar Tage damit wir uns anständig verabschieden können. In der Zwischenzeit kontaktiere ich ein Homestay an der Grenze zu Kambodscha. Dort kann ich in einer Thailändischen Familie wohnen, ein bisschen Englisch unterrichten und lerne im Gegenzug die Kultur kennen- Das was ich in Asien bis jetzt vermisst habe.
Habe doch noch einen Tag mit Gina. Tagsüber schauen wir uns einen Teil der Stadt an, abends suchen wir die Partyszene. Am nächsten Tag kommt dann die Verabschiedung und ich merke wieder einmal wie anstrengend Reisen ist. Mittags habe ich sie verabschiedet, was aufgrund unserer langen gemeinsamen Zeit emotionaler wurde als Gedacht. Als ich dann abends bei der Thai Familie im Bett liege und den Tag Revue passieren lasse sind die Gedanken an Gina schon so weit weg. In der Zwischenzeit ist schon wieder so viel passiert…
Mittlerweile bin ich schon drei Wochen hier. Die Familie ist einfach Hammer nett. Es gibt Nittaya, die Mutter. Somneang, das Familienoberhaupt und die drei Söhne Nat (19), Nob(14) und den kleinen Nucka(9). Die Eltern sind beide Lehrer an der Örtlichen Schule, wobei die Mutter übelst engagiert ist. Sie organisiert Geld um eine Bibliothek für die Schule errichten zu können, sucht Volunteers um ihr Englisch, das ihrer Familie und das ihrer Schüler zu verbessern, engagiert sich im Tempel und versucht gleichzeitig noch, mir Kulturell etwas zu bieten….Echt der Wahnsinn.
Zurzeit haben sie jedoch Sommerferien, weswegen wir ihre Schule nur zweimal aus organisatorischen Gründen besuchen. Einmal verteilen wir Geld an die Eltern der Schüler um Schuluniformen kaufen zu können und das zweite mal für ein Meeting der Lehrer. Dafür gebe ich bei ihr zu Hause Privatunterricht. Dieser ist jedoch sehr Basic und teilweise ist es schon frustrierend wenn selbst die Zuordnung von Begriffen wie Mann, Mädchen, Baum und Sonne zu Bildern eine halbe Stunde dauert. Aber egal, es gibt immer Programm. So nimmt mich Nittaya auf eine Buddhistische Beerdigung mit, es gibt ne Spendenaktion im Tempel an der wir über mehrere Tage Eis verteilen, in der Stadt findet ein Umzug Stadt und wenn wir zu Hause sind, zocke ich mit den Jungs Playstation.
Dann war da noch vom 11. bis 15. das Songkran Fest (Thai Neujahr). Sehr witzig und es hat mich stark ans Nabaden in Ulm erinnert. Das Prinzip ist schnell erklärt. Man lädt alle seine Freunde ein, setzt sich vors Haus, spielt Musik, trinkt Bier und spritz alles und jeden Nass der vorbei kommt! Schön ist vor allem die Gastfreundschaft-habe ich 2-3Schluck getrunken ist mein Glas auf einmal wieder voll-das will ich zu Hause auch so haben!!!
Kurzer Ausblick:
Da mein Visum in ein paar Tagen ausläuft habe ich mich entschlossen Morgen (den 20.) für ein paar Tage nach Kambodscha zu gehen um dann wieder zurück nach Bangkok zu fahren und dort Bruce nach Süd Indien verschiffen.
Freue mich immer über Kommentare und Danke an alle die an mich gedacht haben.
Grüße Sam
Sonntag, 19. April 2009
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2 Kommentare:
Lieber Sam,
Oma findet Deine Schreibstil gut und spannend. Deine Großeltern freuen sich, dass sie die Weltreise machen können dürfen, und dabei bequem auf der Terrasse im Sonnenschein sitzen. Opa ist sehr froh, dass er auch abends etwas zu Essen bekommt :-).
Viele liebe Grüße auch von Till
Tabea
Hallo Sam, Hallo Brucey-Baby
habe mich sehr gefreut über einen neuen Eintrag im Blog! Hab ich beinahe schon vermisst. Toll dass du jetzt weiterschreibst, deinen Stil finde ich klasse! Freue mich auf mehr!
Harald
Ich finds auch super,dass du schreibst. Lass dich nicht klein kriegen, viel Glück, alles Liebe Koni
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