Nach zwei Monaten Thailand geht’s am Montag den 20. April los an die Kambodschanische Grenze. Über die Gewohnheiten der Grenzer sowie den Straßen Kambodschas habe ich schon viel gehört. So bekommt man das Visum nicht ohne Zusatzzahlungen und de Straßen sind ähnlich deutscher Feldwege und lösen sich zur Regenzeit gerne komplett auf.
Beim Schmiergeld habe ich noch Glück. Der Typ vor mir bezahlt extra. Ich habe mein Geld schon in der Hand, doch der Grenzer lächelt mich an und sagt „You dont have to pay!“ Voll nett-nochmal davon gekommen. Die Straßen sind allerdings wirklich in schlechtem Zustand. Die ersten Kilometer kann ich nicht schneller als 20 fahren und bis zum nächsten Highway, der 100Km entfernt ist brauche ich so drei Stunden!
Die Geschichte des Landes ist ähnlich unserer Deutschen, weshalb ich mich dafür besonders interessiere. Im Frühjahr 1975, kurz vor Ende des Vietnam Krieges, der auch auf Kambodschanischem Boden ausgetragen wurde, übernehmen die Roten Khmer die Kontrolle im Land. Die anfängliche Freude ist schnell verflogen, als sie damit beginnen ihre Form des Kommunismus durchzuziehen. Sie verbieten sämtlichen Fortschritt sowie Individualität einzelner da sie dies als Beitz ansehen. Ganze Städte werden evakuiert und die Bevölkerung auf dem Land angesiedelt wo diese in der Landwirtschaft arbeiten müssen. Da sie Bildung und Wissen als Individualität ansehen, werden zum Beispiel Lehrer, Mönche, Menschen mit Brillen sowie Menschen die Fremdsprachen sprechen erst in Spezial Gefängnissen gefoltert und dann umgebracht. Bis zu ihrem Untergang (1979) dezimieren sie die Bevölkerung von neun auf sieben Millionen! Der Westen, besonders die USA, welche noch vor kurzem in Vietnam einen Krieg gegen den Kommunismus geführt haben, schauen hier tatenlos zu! Das Ende kommt erst als die Khmer Krieg mit ihren Erbfeinden, Vietnam, beginnen. Der Gegenangriff Vietnams ist für die Roten Khmer zu stark. Innerhalb weniger Wochen werden sie von der Vietnamesischen Armee überrollt und Kambodscha so in den nächsten Bürgerkrieg gestürzt.
Der Westen schaut weiterhin tatenlos zu. So bekommen die Roten Khmer bis 1991 einen Sitz in der UN Generalversammlung und vertreten dadurch Kambodscha. Nur wenige der Kriegsverbrecher wurden jemals vor ein Kriegsgericht gestellt. So stirbt Pol Pot, der Anführer der Roten Khmer 1998 unbehelligt. Die Bevölkerung ist zu arm und deshalb zu stark damit beschäftigt überhaupt zu überleben.
Kambodscha ist relativ klein(Halb so groß wie Deutschland), weswegen es nicht besonders viele Sehenswürdigkeiten gibt, diese haben es jedoch in sich. Mein erstes Ziel ist Siem Reap da hier die riesen Tempelanlagen von Angkor Wat stehen. Auf einen Gebiet von 200qkm stehen hunderte große und kleine Tempel.
Besonders die allgegenwärtige Armut hat auf dem Weg nach Siem Reap Eindruck hinterlassen. Die Menschen wohnen in Holzhütten, Kinder spielen im Dreck und nur wenige Straßen sind geteert. Positiv ist allerdings dass die Menschen durch ihre Armut den Tourismus als Chance sehen und Englisch dadurch weit verbreitet ist. So kann man auch mit Straßenverkäufern Gespräche führen.
Touristen werden aber auch hier als laufende Geldbörsen gesehen. Ich setze mich auf eine Bank und möchte meine Pepsi genießen. Da kommt schon das erste Kind mit Postkarten in der Hand „Hallo Mister!.... Whats your name?....Where are you from?....I like your beard!”(Wie geil-da wurde mir klar dass es doch kein drei Tage Bart mehr ist). Ich mache ihm klar dass ich nicht interessiert bin und gebe mich weiter meiner Pepsi hin. Da bemerke ich wie mich ein gut gekleideter Mitzwanziger beobachtet. Er kommt auf mich zu woraufhin ich ihm gleich sage „I dont buy anything“. Das scheint für ihn ok zu sein. Er setzt sich zu mir und wir fangen mit etwas Smalltalk über Kambodscha, die englische Sprache, Berufe und so weiter an. Als ob ich es nicht besser gewusst hätte erzählt er plötzlich von einem Waisenhaus in dem er gelegentlich aushilft. Welch Überraschung-er möchte eine Spende. Mir ist es jedoch zu blöd irgendjemand Geld zu geben und ich frage ihn nach der Adresse und sage ich komme die Tage mal vorbei. Als er dann meint er könne mir die Adresse nicht geben ist das Gespräch für mich beendet. Da kann ja jeder kommen…
Trotzdem beschäftigt mich die Armut in diesem Land. Helfen würde ich ja schon gern, nur sieht meine Reisekasse nicht allzugut aus. Es muss Schicksal gewesen sein, denn am gleichen Tag sehe ich noch einen Aufruf zum Blutspenden im örtlichen Kinderkrankenhaus. Am nächsten Tag Spende ich als Nummer 989 zum ersten Mal in meinem Leben Blut und bekomme dafür sogar noch eine Cola, Kekse und ein T-Shirt.
Ich bleibe ein paar Tage in der Stadt um mich an Land und Leute zu gewöhnen bevor ich mich zu Angkor Wat aufmache. Die Tempel sind echt beeindruckend und da ich mich gleich morgens aufgemacht habe sind auch nicht viele Touris da. Insgesamt schaue ich mir vier der Tempel an. Der Haupttempel „Angkor Wat“ ist das größte religiöse Gebäude der Welt. Besonders beeindruckend fand ich aber den „Ta Prohm“ da dieser der Natur überlassen wurde. So wachsen riesige Bäume um die Mauern und Gebäude. Zerstören diese und halten sie gleichzeitig wieder zusammen und verhindern so ein Einstürzen. Unbedingt die Bilder im Webalbum anschauen!!!
Anschließend geht’s in die Hauptstadt Phnom Penh. Komme abends an und gebe mir noch den Stress sechs verschieden Guesthouses zu vergleichen bis ich endlich eins finde indem es auch ein Restaurant sowie einen Gemeinschaftraum gibt. Beim Abendessen labern mich die dort angestellten Tourguides gleich an und da sie nett sind lass ich mir von einem am nächsten Tag die Stadt zeigen. Wir sind gerade in einem Markt als es mit regnen beginnt. Es will gar nicht mehr aufhören und innerhalb einer halben Stunde stehen die Straßen bis zu 30cm unter Wasser. Beim Versuch zurück zum Guesthouse zu kommen säuft uns dann das Moped ab und wir müssen eine Stunde warten bis das Moped wieder läuft und die Straßen passierbar sind. Mit Bruce hätte ich hier richtig viel Spaß gehabt…
Die Guides hier sind richtig nett und da ihr Englisch echt gut ist kann man abends ein Bier mit ihnen trinken gehen. Außerdem laden sie mich noch zum Volleyball spielen ein und bekomme so einmal wieder Kontakt mit Locals.
In Phnom Penh befinden sich das Sicherheitsgefängnis S21 und die Killing Fields. Während der Herrschaft der Roten Khmer wurden die Menschen erst in dem Gefängnis gefoltert und anschließend auf den Killingfields exekutiert. Das Ganze ist krass mit anzusehen. Überall liegen Schädel und Knochen aufgebahrt und in dem Gefängnis hängen unzählige Bilder die von den Schrecken zeugen. Um „kostbare“ Munition zu sparen, mussten sich die gefesselten Opfer vor ausgehobene Gruben knien wo sie dann von hinten mit Hacken und Schaufeln erschlagen wurden!
Nach ein paar Tagen verlasse ich die Hauptstadt und mache mich wieder auf in Richtung Thailands Grenze. Auf dem Weg dorthin halte ich an einem kleinen Hafenstädtchen namens Kampong Chhnang wo ich noch ein paar Bilder schießen will. Viel gibt es nicht zu sehen und so geht’s nach 2 Stunden weiter nach Battambang, was keine 100 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Hier gibt es noch weitere Killingfields wobei hier überwiegend Mönche einfach Klippen hinuntergestoßen oder in Höhlen geworfen wurden, wo sie dann entweder durch den Aufprall oder durch die entstandenen Verletzungen gestorben sind.
Als ich an meinem letzen Abend in Kambodscha gerade einschlafen möchte, höre ich von draußen laute Stimmen, Sirenen und kleinere Explosionen. Eine Straße weiter brennt der halbe Straßenzug! Als ich dort ankomme werden mir von Locals allerhand Verschwörungstheorien erzählt. So löscht die Feuerwehr nur wenn die Hausbesitzer entsprechend bezahlen. Aber krass zu sehen wie die Bewohner in die brennenden Häuser rein und raus rennen um ihre Habseligkeiten zu retten. Eine Versicherung werden sie sicher nicht haben…
Kulinarisch hats Kambodscha auch in sich. In Thailand hatte ich schon gegrillte Insekten probiert, die echt lecker waren. Hier Probiere ich noch gemixte Kuh Innereien und gekochte Schnecken. Die Innereien werden mit rohem Gemüse serviert und ich bekomme es kaum runter. Die Schnecken sind auch nicht mein Fall, schmecken sie doch sehr nach Erde.
Kambodscha hat viele Eindrücke hinterlassen. Die Menschen sind trotz der Armut sehr freundlich und positiv eingestellt. Hier könnte ich mir vorstellen auch einmal wieder zu kommen.
Am 3. Mai geht es dann wieder zurück nach Thailand wo ich mich ums Verschiffen und die Visa für Indien, Pakistan und Iran kümmern muss. Im Normalfall muss man einmal zur Botschaft um das Visum zu beantragen und dann nochmal um das Visum abzuholen. Teilweise muss man den Reisepass auch abgeben weswegen alles sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Dazu kommt noch das Verschiffen und so verbringe ich Tagsüber viel Zeit in Taxis-der Verkehr ist einfach enorm. Abends gehe ich meistens auf die Kao San Road(Haupttravellergebiet in Bangkok) um das ein oder andere Bier zu trinken.
In meinem Hostel lebt noch ein Marokkaner der sich in Bangkok niedergelassen hat. Ganz praktisch, da er mir ein paar Insidertipss verrät. So gehen wir zum Shoppen wo ich mir Hosen für umgerechnet 5Euro kaufe und es gibt auch eine deutsche Metzgerei-endlich bekomme mal wieder Leberkäse!!!
Außerdem sehe ich auch Patrick-den Deutschen Mönch aus Wat Sanghathan wieder. Witzig und da wir uns schon kennen sind es auch keine woher kommst du-wohin gehst du Gespräche. Er verlässt Thailand zur gleichen Zeit wie ich und obwohl er Lust hätte mit mir zusammen nach Hause zu fahren scheitert es an der Finanzierung-echt schade.
Nachdem Bruce im Container und die Visa in der Tasche sind geht es dann am 16. Mai nach Indien. Und eins kann ich euch jetzt schon versprechen, der nächste Eintrag wird interessant-Indien ist einfach nur krass…
Liebe Grüße nach Hause
Sam
Donnerstag, 18. Juni 2009
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4 Kommentare:
Hallo Sam,
habe Deinen Großeltern gestern den neuesten Bericht vorgelesen. Sie lassen Dich ganz herzlich Grüßen und wünschen Dir weiterhin eine gute und behütete Reise.
Till und ich senden ebenfalls die besten Wünsche ins ferne Indien.
Liebe Grüße
Tabea
Hallo Sam, Hallo Bruce!
Habe eben erst den neuen Eintrag mitbekommen. Sehr eindrucksvoll! Finde ich klasse wie du das alles machst! Meinen Respekt hast du schon mal.
Wünsche dir und Baby Bruce alles Gute auf der weiteren Reise (leckeres Essen und fettes Benzin) und freu mich schon auf den nächsten Eintrag.
Harald
Hallo, beinahe vergessen!
Die Fotos sind toll!
Teilweise Supergeil!
Halt den Auslöseknopf warm!
Harald
Hallo Sam, ich kann nirgens mit dir in kontakt treten, deshalb auf diesem Wege, hatte die Seite noch gespeichert...wäre total super wenn du dich bei mir wegen ein paar Reisefragen bei mir meldest, hoffe dich erreicht die nachricht irgendwie (-;
Viele grüße, Emily (emilymahringer@googlemail.com)
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