Wir erreichen am Abend des 3. 2. Johur Bharu, eine unbedeutende Stadt gleich hinter Singapurs Grenze zu Malaysia. Die Fahrt dorthin dauert länger als gedacht, was aber daran liegt, dass die Polizei und die Beamten an der Grenze lange Zeit brauchen um den bürokratischen Aufwand den das Auto benötigt, zu bewerkstelligen. Denn auch Brucy- Baby hat einen Reisepass! Allerdings einen nicht ganz so gängigen wie wir, was wohl an der Grenze immer mehr Zeit in Anspruch nehmen lassen wird....
Unser nächstes grosses Ziel ist Mersing an der Ostküste. Von dort aus wollen wir am nächsten Tag das Speed-Boot nach Pulau Tioman, eine mittelgrosse Insel im Südchinesischen Meer, nehmen. Als wir Abends hier noch im Restaurant dinieren, sitzen wir neben einer indischen Grossfamilie, die irgendwas zu feiern scheint. Als wir gerade gehen wollen, kommt ein Mädchen mit einem Teller auf uns zu, voll von der malaysischen Version der Schwarzwälder Kirschtorte. Wir sollen bleiben und den Hochzeitstag ihrer Eltern mitfeiern! Das braucht man uns nicht 2x zu sagen, und zur Schwarzwälder gibt’s sogar noch Sekt dazu! Wie unglaublich nett und gastfreundlich diese Familie ist!
Am nächsten Spätmittag kommen wir auf Tioman an, eine traumhaft schöne Insel- weisser Strand, türkisfarbenes Wasser, Kokosnusspalmen,... Wir mieten uns einen Bungalow direkt am Strand. Da grad keine Saison ist, sind nur wenig Touristen auf der Insel, schön ruhig hier. Tags drauf geht’s zum Tauchen. Der Divemaster ist ein junger Australier, dem es verdammt viel Spass macht seinem dänischen „Stift“ das Leben schwer zu machen. Was der Arme sich alles anhören lassen muss- der Australier vom Typ her so einer der nicht nur alles weiss, er weiss es sogar auch besser!, und denkt die Welt könne ohne ihn und seinen weisen Ratschlägen nicht leben. Naja, uns dienen solche Menschen eher der guten Unterhaltung weil wir uns aus ihnen einen Spass machen, haben ja nicht lange mit ihm zu tun. Nach unseren 2 Tauchgängen am Morgen setzen wir an sportlicher Aktivität am Mittag noch einen drauf und wandern, bergauf, bergab durch den Regenwald auf die andere Seite der Insel. ( Unsere Elke wäre stolz gewesen!) Die Tauchschul-Gang macht sich etwas Sorgen ob wir es vor Einbruch der Dunkelheit schaffen drüben anzukommen, denn wenn’s dunkel ist dann ist`s halt dunkel! Aber Outback Jack, wie wir unseren Divemaster heimlich nennen, gibt uns noch den perfekten Überlebenstrick mit auf den Weg: „Hey, if you get lost, just follow the powerlines!“ Danke Überlebenskünstler, ohne dich hätten wir aus dem Dschungel niemals wieder herausgefunden!
Übernachten dann eine Nacht auf der anderen Seite der Insel in einer sehr liebevoll und schön hergerichteten kleinen Anlage einer Surfschule, die Bungalows vermietet. Gleich frühmorgens am nächsten Tag müssen wir uns wieder auf den Rückweg machen, da wir Mittags das Boot zurück aufs Festland erwischen müssen. Die Fahrten mit dem Boot übrigens alles andere als prickelnd- das Ding wackelt so sehr hin- und her das ich ständig Angst habe mit samt dem Boot umzukippen. Wo ist eigentlich Outback Jack wenn man ihn braucht?- Der wüsste jetzt was zu tun wäre!
Heil am Festland wieder angekommen, bruceln wir sofort mit dem Auto weiter nach Melacca. Das ist die Stadt der ich den ersten Preis in der umständlichsten Verkehrsführung verleihe. Einmal versehentlich in die falsche Richtung gefahren- keine Chance mehr jemals wieder an den Ausgangspunkt zu gelangen, da die komplette Stadt nur aus Einbahnstrassen zu bestehen scheint. Neu-Ulm ist ein scheiss dagegen! Zu allem Übel sind hier auch noch U-Turns verboten, doch da es für uns nicht ersichtlich ist wie man hier die Richtung wechselt um an sein Ziel zu kommen, machen wir es trotzdem. Als Sam einen Inder nach dem Weg zu unserem Hostel fragt, er aber die Karte nicht lesen kann weil er Probleme mit dem Sehen hat, fährt er im Auto voraus ( wie gut das wir jetzt wissen das er halb blind ist) , wir sollen ihm folgen, er will uns zum Hostel lotsen. Seine ganze Familie sitzt im Auto und das Hostel liegt eigentlich gar nicht auf seinem Weg- wie arg nett von ihm das er uns trotzdem hinbringt!
Unser Wahl- Hostel ist ausgebucht, sodass wir in einem Guesthouse landen. Der Besitzer- wieder ein Inder. Guesthouses sind so konzipiert, das sowohl Besitzer als auch Gäste gemeinsam unter einem Dach wohnen, natürlich jeder in eigenen Zimmern. Dusche, WC, Küche aber von allen gleich genutzt wird. So hat man die Möglichkeit mit Einheimischen in engeren Kontakt zu kommen. Und unser kleiner Inder namens Stephen findet das ganz toll! Jeden Abend trommelt er all seine Gäste zusammen und will mit ihnen gemeinsam Abendessen gehen. Er ist sehr interessiert daran, das man sich bei ihm wohlfühlt. Für Inder ist es unvorstellbar alleine zu sein, alles passiert in der Gruppe, sodass man bei Indern immer aufgenommen und umsorgt wird. Gegen Ende unseren Aufenthalts bei Stephen wird uns diese typisch indische Gastfreundschaft aber fast zuviel, z.B. dann wenn er einfach in unserem Zimmer steht und fragt ob alles gut ist und wir ihn beinahe nicht mehr rauskriegen. Aber wir wissen ja das es nur gut gemeint ist. Trotzdem am Anfang als Europäer ungewohnt.
Lernen hier im Guesthouse viele nette Menschen kennen, da wir fast 1 Woche bleiben um bisschen zu relaxen. Unter anderem Ben aus England, den wir später auf der Reise noch weitere 2x zufällig treffen werden, und unser Peter, zu dem wir schnell einen freundschaftlichen Kontakt aufbauen. Peterle, wie ich ihn bald nenne, ist ein Koch aus Bayern, und da dauert es nicht lange bis wir auf die Idee kommen am nächsten Abend selbstgemachte Kässpätzla zu kochen! S’ Peterle schabt wie ein wilder die Spätzla in Stephens zweckentfremdeten Reiskocher, Stephen und ich schneiden Käse, Zwiebeln und landesspezifisches Gemüse für den asiatischen Flair klein. Ein Festessen sag ich euch! Wobei die Einheimischen Freunde von Stephen glaub bisschen ihre Probleme mit der schwere des Essens haben, was sie aber natürlich nicht zugeben wollen!
Wir verbringen die Tage sehr ruhig, da wir die Ruhe gerade etwas nötig haben- sind etwas erschöpft vom vielen unterwegs sein, das Reisen ist doch anstrengender als gedacht. Peterle macht da gleich mit! Seine Lieblingsbeschäftigung an diesen Tagen ist Shoppen gehen im grossen Einkaufszentrum gleich um die Ecke- aber nur aus dem Grund weil es klimatisiert ist. Die Temperaturen sind erbarmungslos! Ein lustiger Zeitgenosse unser Peterle, immer wieder müssen wir herzhaft mit und über ihn lachen- besonders dann als er mir erklärt, dass ich mich vor den Bakterien hier in Asien in Acht nehmen soll. Speziell tagsüber seien sie sehr aggressiv! Ah ok, gut zu wissen!
Nachdem wir Melacca verlassen, wollen wir noch mal WWOOFing so wie in Australien machen, um mal etwas runter zu kommen. Wir brauchen dringend mal wieder 2-3 Wochen in denen wir zur Ruhe kommen, in denen nicht jeder Tag was Neues passiert und in denen wir einen gewissen Alltag haben. Wir merken zur Zeit das dieser ständige Input von Neuem und die vielen Eindrücke Asiens schwer zu verarbeiten sind. Wir suchen also die einzigste Farm in Malaysia auf die dieses WWOOFing-Programm anbietet, doch leider entspricht das alles hier nicht unseren Vorstellungen. Eigentlich sollte man hier über mehrere Wochen arbeiten, wofür wir nicht die Zeit haben. Gern hätten wir hier mit anderen Gleichgesinnten zusammengearbeitet, doch ausser 1 Franzosen arbeiten hier fast ausschliesslich Indonesier, die Europäern gegenüber erst mal sehr abweisend eingestellt sind, da sie über uns aufgrund der Kolonialisierungszeit ein sehr schlechtes Bild haben und es laut dem Franzosen bis zu 4 Wochen dauert, bis sie überhaupt mal mit einem sprechen. Mich als Frau beachten sie bei unserem Besuch noch weniger als Sam. Ich kann ihr Handeln zwar nachvollziehen, hab aber auch keine Lust hier zu arbeiten ohne Kontakt mit meinen „Kollegen“ aufbauen zu können. Das ist ja nicht Sinn der Sache und so erkennen wir das das mit dem Arbeiten hier wohl leider nichts wird und fahren noch am gleichen Abend weiter zu unserem nächsten Ziel Kuala Lumpur, Malaysias Hauptstadt.
Der Vorteil daran das wir doch schon so früh in der Stadt sind ist, dass wir unser Peterle hier noch mal treffen können, für ihn geht’s morgen weiter nach Bali. Und auf Ben treffen wir hier auch zufällig wieder- zum 2x ist er im gleichen Hostel wie wir.
Der nächste Tag ist Botschaft- Tag. Erst geht’s zur Deutschen Botschaft wo für Sam und mich Post aus Deutschland wartet, danach zur Thailändischen um unser Visa zu beantragen. Dort treffen wir Sacha, einen Schweizer der in Thailand lebt und hier sein Visa verlängern muss. An der U-Bahn Station treffen wir in später wieder und unterhalten uns bestimmt 2h miteinander. Auch er ist schon viel gereist und wir vergessen absolut die Zeit solange er uns seine interessanten Geschichten aus der halben Welt erzählt. Am Ende lädt er uns zu sich nach Thailand ein, die Einladung werde nur ich wahrnehmen, aber dazu später mehr.
Da heute Freitag ist, müssen wir auf unser Visa bis Montag warten. Und da sich K.L. als eine nicht so schöne Stadt für uns entpuppt, sitzen wir hier etwas fest. Hätten wir das Visa früher bekommen, wären wir hier ganz schnell auch wieder abgehauen. Ausser den Petrona-Towers gibt es hier nicht viel zu sehen. Von den gigantischen Einkaufszentren abgesehen, aber die hatten wir in Singapur schon genug. Abends scheint die Stadt tot zu sein. Es gibt zwar paar Clubs, doch in diesen kostet ein kleines Bier mehr als die Übernachtung im Hostel! Die Bar- und Kneipenszene suchen wir vergebens. Doch eine Bar gibt’s sogar gleich gegenüber von unserem Hostel – mal wieder eine Reagge- Bar, die tausendste auf der Reise...Seit Bali verfolgt uns der totgeglaubte Bob Marley mit seinen Gesängen- da hört dann auch irgendwann selbst bei mir als früherer Fan die Toleranz auf. Die Bob Marley Phase hatte glaub ich jeder mal in seinem Leben ( wobei die Betonung auf „mal“ liegt), doch in Asien haben die noch nicht ganz verstanden das auch lebende oder modernere Künstler gute Musik machen können, die einen vielleicht nicht ganz so sehr langweilen. Naja, das sind wohl die „Luxusprobleme“ wie der Benny so schön zu sagen wusste, die wir haben.
Also gut, nachdem wir unser Thai-Visa in der Tasche haben verlassen wir den Grossstadt- Dunst. Ab in die Natur, ab in die Berge Malaysias- Cameron Highlands. Hier wird grösstenteils auf riesigen Plantagen Tee angebaut, aber auch Obst und Gemüse. Nachts brauch ich nach langer Zeit mal wieder meinen Schlafsack, sobald die Sonne weg ist wird’s frisch- schön die Nächte mal nicht schwitzend verbringen zu müssen. Besichtigen die Teeplantagen wie sie da so grün in den Bergen liegen, und folgen einer 4x4 Tour in den Dschungel, dieses mal aber mit eigenem Auto! Der Weg ist so matschig das Bruce rebelliert und stecken bleibt! Doch mit Hilfe des anderen Autos kann er wieder rausgezogen werden. Hier im Wald haben wir das Glück die grösste Blüte der Welt sehen zu können, die wohl nur eine Woche lang blüht bevor sie wieder verwelkt. Die Blüte stammt nicht von einer Pflanze sondern von einem Pilz, den stinkenden Geruch den er haben soll können wir aber nicht riechen. Wir lernen wieder viele Reisende hier oben kennen, doch meist trennen sich die Wege nach nur einem gemeinsamen Abend leider schon wieder voneinander. Auch ein Problem wenn man reist und dabei ständig unterwegs ist- man trifft zwar viele nette Menschen, doch leider bleibt der Kontakt sehr oberflächlich und die Gespräche die man führt sind immer die gleichen. Sam und mich nervt das schon langsam richtig. Immer die gleichen Fragen, immer die gleichen Antworten, immer das gleiche Bla Bla.... Da sind wir richtig froh ein drittes Mal auf Ben, unseren alten Bekannten aus Melacca zu treffen. Wieder zufällig, dieses mal auf der Strasse. Und auch den Klischee-, alternativ-, obergrünen, Leinenklamotten tragenden, kiffenden Reisenden treffen wir hier. Ich weiss nicht mal wie er heisst, denn nachdem Sam ihn fragt , wo er denn her komme, er erst mal ne halbe Minute nichtssagend dran sitzt, dann ganz langsam seinen Kopf erst nach links, dann nach rechts dreht und daraufhin Sam fragt ob er grad mit ihm spricht, muss ich mich schon beherrschen nicht laut zu lachen. Wo sein wahres Zuhause ist weiss er selbst nicht so genau- Achtung, wer jetzt weiter frägt hat ein ernstzunehmendes, philosophisches Gespräch an der Backe! Als dann noch jemand in der Runde in der wir grad sitzen was von Bäume fällen erzählt, springt er beinahe von seinem Stuhl auf und stellt ganz ungläubig die Frage-„Wie- ihr fällt Bäume??!!!“ Die ganze Runde hat jetzt schwer zu kämpfen nicht loszulachen! Ne danke, der ist mir dann doch zu weit weg vom real-life!
Unsere letzte grosse Station in Malaysia ist Georgetown. Die Stadt liegt auf einer grösseren Insel an der Westküste, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist. Die Kolonialzeit hat hier viele schöne Bauwerke im viktorianischen Stil hinterlassen, was die Stadt sehenswert macht, denn die Malaysier selbst haben für Architektur leider nichts übrig. Egal wo wir sind, egal ob Grossstadt, Kleinstadt oder Dorf- hier sieht es immer etwas runtergekommen und dreckig aus, weil die Malaysier auf Schönheit in diesem Sinne wohl keinen wert legen.
Nach paar Tagen in der Stadt wollen wir eigentlich noch etwas ins Hinterland der Insel fahren und uns nen schönen Platz an den hochgepriesenen Stränden suchen um noch etwas zu verweilen. Wir fahren die Strände ab, entdecken aber keinen Ort der schön genug wäre um länger hier zu bleiben. Also geht’s gleich weiter nach Alor Setar. Eine Stadt 20 km vor der thailändischen Grenze. Eine letzte Nacht bleiben wir hier, allein als Europäer unter der moslemischen Bevölkerung Malaysias, bevor wir am nächsten morgen, den 24.2., Thailands Grenze erreichen.
Freitag, 3. April 2009
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2 Kommentare:
Liebe Gina, lieber Sam,
wir schauen jeden Tag mal in Eurem Blog vorbei, um zu sehen, ob es etwas Neues von Euch gibt. Wenn Sams Großeltern zu erreichen sind, dann wird der neuste Bericht am Telefon vorgelesen.
Wir wünschen Euch weiterhin eine gute und behütete Reise.
Liebe Grüße
Tabea und Till
P.S. Ich liebe Bruce (und natürlich meinen Mann :-))
Lieber Samuel,
ganz viele liebe Grüße von Oma und Opa. Wir haben gestern einen großen Teil der Bilder angeschaut, nachdem uns Annegret immer die Texte am Telefon vorliest.
Wir haben uns gefreut, Dich so munter zu sehen und Opa fand die blonde Perücke besonders prima und Oma wollte immer einen großen Blonden heiraten. Die Empfehlung der Familie lautet aber, dass die Haar- und Bartlänge Richtung Pakistan wieder zunehmen sollte.
Herzliche Grüße
aus Deutschland
Oma und Opa
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